FAIReconomics Newsletter KW 28 NACHRICHTEN

Studie – Die Deutschen und die Natur: Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellte am Freitag das Ergebnis einer Studie über das Verhältnis der Deutschen zum Naturschutz vor. Fragen wie – Wie wichtig ist den Deutschen der Naturschutz – und was würden sie für den Erhalt von Flora und Fauna tun? Was halten die Bundesbürger von Windenergie und Gentechnik? wurden in der Naturbewusstseins-Studie untersucht. Gegenüber dem Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft vertritt eine große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland eine skeptische Position: So sprechen sich 79 Prozent der Befragten für ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. 93 Prozent sind der Meinung, dass mögliche Auswirkungen auf die Natur immer untersucht werden sollten, wenn Pflanzen gezielt gentechnisch verändert werden. Ebenso sprechen sich 93 Prozent der Befragten dafür aus, Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden, im Handel zu kennzeichnen. Noch vor zwei Jahren sprach sich eine sehr große Mehrheit der Deutschen für mehr Öko-Landbau, im Konsum spiegelte sich das aber nicht immer wider. Interessant: Die jüngste Gruppe der Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahre sei im Schnitt deutlich weniger für den Naturschutz sensibilisiert als ältere Menschen. Die Ministerin sprach von einem „Generationenbruch“, dem Naturschützer entgegenwirken müssten. swp.destuttgarter-nachrichten.de,  bmu.de (Studie)

Umweltminister von Bund und Ländern gegen Agrarpolitik der EU-Kommission: Gegen die von der EU-Kommission vorgeschlagene Kürzung der Fördermittel für eine umweltfreundliche Landwirtschaft haben sich die Umweltminister von Bund und Ländern ausgesprochen. „Dieser Einschnitt geht zu Lasten von Umwelt und ländlichem Raum und steht der von der Kommission angestrebten Stärkung von Umwelt- und Naturschutz sowie dem Beitrag zu den Klima- und Ressourcenschutzzielen der EU entgegen“, heißt es in einem Beschluss der Amtschefs. Ferner bitten sie die Bundesregierung, sich auf EU-Ebene gegen diese Kürzung einzusetzen. Zudem fordert Bundesumweltministerin Svenja Schulze mehr Mitspracherecht für die Umweltverwaltungen in der milliardenschweren Agrarförderung der EU. „Denn sie haben die fachliche Kompetenz für Umwelt- und Naturschutz. Das ist die gemeinsame Forderung aller Umweltministerien von Bund und Ländern.“ Es brauche außerdem klare EU-Umweltvorgaben, „sonst ist Umweltdumping im Agrarwettbewerb Tür und Tor geöffnet“. finanztreff.de

Bis zu 7.500 Euro Strafsteuer und mehr sollen Erwerber  in Schweden bezahlen, wenn sie sich ein umweltschädliches Fahrzeug zulegen. Das gilt insbesondere auch für  die in dem skandinavischen Land so beliebten Diesel- SUVs. In Schweden werden durchschnittlich mehr Fahrzeuge verkauft, die deutlich mehr Kohlendioxid ausstoßen, als in der gesamten EU. Mit dem „Bonus-Malus-System“  will die schwedische Regierung diesen Trend nun eindämmen und den Kohlendioxidausstoß im Verkehrssektor deutlich verringern. energiezukunft.eu

Das Ende der Kohle hätte negative Folgen für die Lausitz: In einer Studie des RWI kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass bei einem Braunkohleausstieg die Situation insbesondere im Osten deutlich schwieriger wäre als im Rheinischen Revier. Tatsächlich seien die Strukturdaten im Osten alarmierend. Bei der Innovationskraft erreichen die Werte für die Forschungs- oder Patentintensität der ostdeutschen Braunkohleregionen nur etwa ein Viertel des Bundesdurchschnitts. Auch die demografische Situation sei alarmierend. So sinke in der Region des Lausitzer Reviers das Erwerbspersonenpotenzial der Bevölkerung bis 2035 um fast ein Drittel und damit mehr als doppelt so stark wie in Deutschland insgesamt. handelsblatt.com

Chef der US-Umweltbehörde tritt zurück: Der bisherige Chef, Scott Pruitt,  ist nach einer Reihe von Skandalen zurückgetreten.Vor allem der lockere Umgang mit Steuergeldern ist dem Behördenchef zum Verhängnis geworden. Zum Schluss waren mehr als ein Dutzend interner Untersuchungen auf Bundes- und Kongressebene anhängig. So wurden Pruitt kostspielige Flugreisen in der ersten Klasse sowie ungewöhnlich hohe Sicherheitsausgaben vorgeworfen. Allein das Sicherheitsteam für den Behördenchef, bestehend aus 20 Mitglieder soll an die drei Millionen US-Dollar gekostet haben. Pruitts Nachfolger steht schon bereit, der bisherige Stellverteter Andrew Wheeler, tritt heute seinen neuen Job an. Kritiker befürchten, dass der ehemalige Lobbyist den Rückzug der US-Regierung aus allen Klimaschutzbemühungen sogar noch beschleunigen könnte. zeit.de , klimareporter.de

Zu wenig Biotonnen: Viele Landkreise und Städte bieten auch dreieinhalb Jahre nach Einführung der Pflicht zum getrennten Sammeln von Biomüll  flächendeckend noch keine Biotonnen oder -säcke für Haushalte an. Vier Millionen Tonnen Bioabfall könnten zusätzlich über die Biotonnen gesammelt werden, glaubt die Naturschutzorganisation NABU.  Derzeit seien es rund 4,8 Millionen Tonnen. „Wir brauchen deutschlandweit ein Holsystem, mit dem Bioabfall in einer separaten Mülltonne bei den Bürgerinnen und Bürgern abgeholt wird“, forderte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. handelsblatt.com

Zwangshaft für den Regierungspräsidenten? In einem Interview deutet Umwelthilfechef Jürgen Resch diese Möglichkeit an. Es könnte den Stuttgarter Regierungspräsidenten treffen. „Wenn allerdings eine rechtswidrige Weisung aus dem Landeskabinett ursächlich dafür wäre, die vom Bundesverwaltungsgericht entschiedenen Fahrverbote, auch für Euro 5, zu verhindern, dann würde sich diese Zwangshaft natürlich gegen diese rechtswidrig handelnden Mitglieder des Landeskabinett richten“, so Resch. kontext.de

Buchtipp der Woche:  Der Mensch im globalen Ökosystem – Eine Einführung in die nachhaltige Entwicklung. Als Begriff ist Nachhaltigkeit heute in aller Munde, doch mit der Umsetzung nachhaltiger Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen tun wir uns nach wie vor schwer. Dieses Buch ist gedacht als Überblick über relevante Diskurse – aber auch und vor allem als Denkangebot mit neuen Vorschlägen für die Verteidigung und weitere Ausgestaltung des Konzeptes der nachhaltigen Entwicklung. Es widmet sich der Position der Menschheit im globalen Welt(öko)system und versteht Nachhaltigkeit disziplinübergreifend. Die Problemanalyse steht dabei ebenso im Zentrum wie Lösungsansätze und die Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung. oekom.de

Bundesrat: Minister fordern Maßnahmen für weniger Plastik in Umwelt. euwid-wasser.de
200.000 Elektrofahrzeuge: Zulassungen steigen durch neue Plug-in Hybride wallstreet-online.de
Daimler: Nun auch Stopp des LKW Vertriebs. bild.de  
Wasserstoff: Soll Kohleregion retten. bizz-energy.com
Shitstorm: Krombacher wegen Nestlé in der Kritik. wiwo.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„Die zunehmende Möglichkeit der algorithmischen Vermessung führt also nicht nur zum immer öffentlicheren Individuum, sondern sie konfrontiert uns auch mit voller Härte mit uns selbst“
Rafael Huber, Dozent und Berater am IAP Institut für Angewandte Psychologie an  der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Manipulation und Beeinflussung seien keine neuen Phänomene. Sie seien eine Grundeigenschaft unserer Kommunikation, ein fixes Element des Menschseins. Neu sei nicht die Beeinflussung. Neu sei höchstens deren Dimension. Neu sei  auch, wie wenig es heute brauche, um wirklich viel über uns zu erfahren. Und wie leicht dieses Wenige im digitalen Raum verfügbar sei. Auch systematische Rückschlüsse vom Verhalten auf die Person seien nicht wirklich neu. Doch musste man früher willentlich einen zeitintensiven, teils fehleranfälligen Fragebogen ausfüllen,  heute genügten den Algorithmen der Datenpsychologen bereits 250 unaufmerksam hinterlassene Likes, um unsere Person besser zu kategorisieren, als dies deren Lebenspartner könnten. nzz.ch

„Der Mensch wird in vielen Bereichen leistungsfähiger und preiswerter bleiben. Und auch nicht alles, was aus technischer Sicht automatisierbar wäre, wird man auch Maschinen überlassen. Außerdem werden immer wieder völlig neue Arbeitsfelder entstehen, an die niemand gedacht hat. Nehmen Sie die ganze Freizeitindustrie. Die war vor 100 Jahren in diesem Umfang gar nicht vorstellbar. Oder, dass jemand mal von Youtube-Videos oder als Influencer auf Instagram leben könnte. Erst in weiter Zukunft könnte es zur einer „Wertschöpfungssingularität“ kommen, wenn Maschinen alle potenziell entstehenden Beschäftigungspotenziale gleich selbst wieder bedienen.“
Marc Bovenschulte, Leiter des Instituts für Innovation und Technik in Berlin, all jene Berufe, die auf zwischenmenschlichem Kontakt beruhten – etwa die Pflege – werde es wohl am geringsten treffen. Auch viele andere Berufe werde es weiterhin geben, wenn auch sicherlich verändert. Wenn man an die Medizin denke und  es hart auf hart gehe, werde kein Mensch sich auf die Wahrscheinlichkeitsberechnung einer Maschine verlassen wollen, so präzise die auch sein möge. Dann sei immer ein Arzt gefragt, der digitale Expertensysteme als Werkzeuge nutze. Einfache Tätigkeiten hingegen seien oft zu preiswert, um sie durch Maschinen zu ersetzen. Ein Problem könnte im mittleren Qualifikationssegment entstehen. Hier gebe es viele Tätigkeiten, die sich recht gut formalisieren und somit automatisieren ließen. Da würden Stellen verschwinden. general-anzeiger-bonn.de

MEHR WISSEN

Nachwachsende Rohstoffe im Wohnlabor: Dass nachhaltiger Beton machbar ist, zeigen jetzt Wissenschaftler des Karlsruher Institutes für Technologie. Sie haben eine Testwohnung in Zürich errichtet, in der neue Materialien getestet werden sollen. Hintergrund: Der zunehmende Bedarf an Wohnraum zwingt die Baubranche zum Umdenken. Nachwachsende Rohstoffe wie Holz oder Stroh gewinnen an Bedeutung, um endliche Ressourcen wie Sand, ein wichtiger Zuschlagsstoff für Beton, zu schonen. „Durch das Testen von Innovationen unter realen Bedingungen wird eine Brücke von der Forschung zur Anwendung geschlagen, denn die Kreislaufwirtschaft braucht neue Methoden und Produkte“, betont der Projektleiter. Zwei Studenten, die im Mai das Wohnlabor bezogen haben, werden mit Erfahrungen aus dem Alltag die Studie ergänzen. biooekonmie.de

Avacados – schlechte Energiebilanz: Um mehr als ein Fünftel ist der Absatz von Avocados in Deutschland gestiegen.Während die World Avocado Organization (WAO) feiert, dass Deutschland zu den am schnellsten wachsenden Märkten für Avocados gehört, sieht die Umweltbilanz der Pflanze verheerend aus.  Tausend Liter für ein Kilo Avocados das sind etwa drei Stück werden benötigt, die gleiche Menge an Tomaten braucht nicht einmal ein Fünftel davon. Erschwerend kommt hinzu, dass Avocados vor allem aus Ländern mit Wasserknappheit stammen. Außerdem legen 80 Prozent aller Avocados, die in Deutschland auf Tisch und Teller kommen, Tausende von Kilometer in auf rund sechs Grad heruntergekühlten Containern zurück. sueddeutsche.de

Nachhaltiges Reisen: Nachhaltig zu reisen besteht nicht nur darin, auf die Umwelt zu achten und dort möglichst wenig Schäden anzurichten. Wichtig ist auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit, denn der Tourismus ist in vielen Regionen die wichtigste Einnahmequelle für die Regionen und ausschlaggebend für wirtschaftliches Wachstum. Um die Menschen vor Ort zu unterstützen, geht es beispielsweise darum, darauf zu achten, dass die Wertschöpfung auch in der Region bleibt. Das geht auch dadurch, dass man eine Unterkunft wählt, die Einheimischen gehört. muensterschezeitung.de

USA: In den Vereinigten Staaten ist das Thema Plastikmüll noch nicht angekommen. tagesspiegel.de
Nährstoffversorgung: CO2 Anstieg gefährdet Nährstoffe in Lebensmitteln. spiegel.de
Israel: Künstliches Rindfleisch aus dem Labor. deutschlandfunkkultur.de
Österreich: Gesetz gibt Wirtschaft Vorrang vor Umwelt. derstandard.de
Montenegro: Nach außen grün, nach innen korrupt. spiegel.de
Superfood: Auch vor der Haustür. n-tv.de
Deutsche Seen: Schlechte Zeiten für deutsche Gewässer. zeit.de

DAS LETZTE:

Metzger im Fadenkreuz von französischen Veganern: Etliche Fleischereien sind in den vergangenen Wochen im Norden Frankreichs von Veganer-Aktivisten attackiert worden. Dabei wurden Schaufenster zerstört und Fassaden beschmiert. Die Demonstranten wollen auf die Missstände in der Fleischindustrie aufmerksam machen.  Die Traiteure und Charcutiers ­(CFBCT), der französische Fleischerverband, forderte nun den französischen Innenminister Gérard Collomb auf für Polizeischutz zu sorgen. „Die Angriffe stellen eine Form von Terrorismus dar.“ taz.de

Auch FAIReconomics macht jetzt Sommerpause:

Der nächste Newsletter erscheint am 13. August 2018. Wir wünschen allen Lesern ein paar ruhige und entspannte Sommertage.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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