FAIReconomics Newsletter KW 32 NACHRICHTEN

Ständiger Bruch von Umweltgesetzen in Deutschland: Rund 70 EU-Vertragsverletzungsverfahren gab es im Frühjahr diesen Jahres, viele davon vor allem im Umweltbereich. Kritiker glauben inzwischen, dass Dieselgate keine Ausnahme ist und glauben an Methodik. Das betreffe nicht nur Abgaswerte, sondern auch Benzinverbräuche, den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten und bei Immobilien oder Motorradlärm.  wiwo.de

BUND legt Klima-Nothilfeplan vor:  Aufgrund der Hitzewelle, die sowohl auf Landwirtschaft als auch auf die Flüsse große Auswirkungen hatte, ist der BUND der Ansicht, dass Deutschland nicht ausreichend auf die Auswirkungen der Klimakrise vorbereitet sei. „Eine politische Sommerpause kann sich die Bundesregierung nicht leisten. Jetzt müssen Lösungen präsentiert werden, wie Deutschland seinen immensen CO2-Ausstoß in den Bereichen Energie, Verkehr und Landwirtschaft reduziert“, so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Im Energiesektor sieht der BUND die am schnellsten wirksame Maßnahme in der Abschaltung der klimaschädlichsten Kohlekraftwerke. Außerdem müsse für eine deutliche Reduktion des absoluten Energieverbrauchs gesorgt werden. Im Verkehrsbereich fordert der BUND unter anderem die Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen, die Abschaffung der steuerlichen Besserstellung von Dieselkraftstoff, eine generelle Erhöhung der Energiesteuer auf fossile Kraftstoffe und eine deutliche Erhöhung der Kfz-Steuer für Spritschlucker. Wirksame Sofortmaßnahmen seien auch im Bereich Landwirtschaft notwendig, vor allem eine Abkehr der Bundesregierung von ihrer Exportstrategie bei Billigfleisch. Dies könne durch die sofortige Reduktion der Fleischproduktion von aktuell 117 Prozent auf das Niveau des Selbstversorgungsgrades erreicht werden. br.de , bund.net

Rund 11.943 Tonnen Stickstoff gelangten 2016 aus Deutschland in die Ostsee.Zehn Jahre zuvor waren es noch 15.327 Tonnen. In der Zwischenzeit waren es aber auch schon einmal 28.873 Tonnen. Beim Schwermetall Blei lag der Eintrag 2006 bei 1,2 Tonnen, 2016 waren es 417 Kilogramm. Gelangen zu viele Nährstoffe in das Binnenmeer, wird dies zu einem Umweltproblem, das Meer wird überdüngt und Algenteppiche sorgen dafür, dass Licht im Wasser fehlt. Da die Ostsee ein Binnenmeer ist, ist die Regenerationszeit besonders lang. Sie benötigt bis zu 30 Jahren, um einmal den ganzen Wasserkörper auszutauschen. t-online.de

Bayer/Monsanto: Rund 289 Millionen Dollar Schmerzensgeld soll der US-amerikanische Agrarkonzern Monsanto an den krebserkrankten Hausmeister Dewayne Johnson bezahlen. Der Unkrautvernichter Glyphosat soll für die Krebserkrankung eines Mannes aus Kalifornien verantwortlich sein. Experten sehen den Anfang einer Klagewelle. Monsanto kündigte Berufung an. Das Urteil stehe im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach kein Zusammenhang besteht zwischen dem Einsatz von Glyphosat und dem Non-Hodgkin-Lymphom stehe, so ein Bayer Sprecher. Der deutsche Konzern hat Monsanto vor wenigen Wochen übernommen. Die WHO stuft den Unkrautvernichter Glyphosat sei 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen ein.  wiwo.de

Forscher warnen vor neuen Heisszeit: Mit der Wärme dieses Sommer haben die Warnungen von Forschern nur am Rande zu tun.  Selbst wenn das Unter-zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens eingehalten würde, könnte sich der Klimawandel immer weiter verstärken.Es gibt sogenannte „Kippelemente“, die unter bestimmten Voraussetzungen eine Kettenreaktion von steigenden Temperaturen in Gang setzen könnten.

Milchwirtschaft schadet der Umwelt mehr als Öl: Über 80 Prozent der Anbauflächen auf der Erde wird für die Herstellung von Milchprodukten oder Fleisch genutzt. Darüber hinaus ist die  Milch- und Fleischindustrie  für 58 Prozent der auf der ganzen Welt verursachten Treibhausemissionen und 56 Prozent der Wasserverschmutzungen verantwortlich. Allerdings unterscheiden sich die Umweltauswirkungen je nach Produktionsweise. Je nach Aufzuchtort kann der CO2-Ausstoss bei der Produktion eines Kilos Rindfleisch bis zu zwölfmal höher sein. Selbst Rindfleisch umweltfreundlichster Produktion ist für sechsmal höhere Treibhausgas-Ausstösse verantwortlich als sie bei der Herstellung der gleichen Menge pflanzlichen Proteins entstehen. Zudem werden für Fleischproduktion selbst im Optimalfall 36-mal mehr Land benötig als bei der Pflanzenproduktion. Übrigens. er Verantwortliche Studienleiter an der Universität Oxford wurde während der Untersuchung zum Veganer.  science.sciencemag.org grain.org , der standard.de

Flugreisen belasten die Umwelt immer stärker: Reisende sind Umweltsünder. Der globale CO2-Ausstoß, der 2013 durch Urlaubs-, Privat- und Geschäftsreisen verursacht wurde lag bei auf 4,5 Milliarden Tonnen. Bis 2025 könnte die Menge auf 6,5 Milliarden Tonnen wachsen, denn die Verbesserung der Aerodynamik oder sparsamere und effizientere Triebwerke halten mit dem Wachstum des Reisens und insbesondere des Tourismus nicht mit. Allein im vergangenen Jahr waren weltweit mehr als 1,3 Milliarden Touristen unterwegs. berliner-zeitung.de

Buchtipp der Woche:  Holz – Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt. Seit einigen Jahren erlebt Holz eine beispiellose Renaissance. Kein Wunder, denn als Werkstoff vermittelt es Wärme und Beständigkeit; als Naturstoff weckt es Sehnsüchte nach ungezähmter Wildnis; als Brennstoff könnte es erneut zur wichtigsten Energieressource der Welt aufsteigen. Kurzum: Holz ist so sinnlich wie zukunftsfähig – aber es war auch immer Teil unserer Geschichte. Dieses Buch erzählt die wechselvolle und spannungsreiche Kulturgeschichte des Holzes und gewährt überraschende Einblicke in die Beziehung zwischen dem Stoff und seinem Nutznießer Mensch: angefangen bei den Jägern der Steinzeit bis zur globalisierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. oekom.de

Streetscooter: Elektrisches Lieferfahrzeug mit Cadmium belastet. spiegel.de 
Monsanto: Künast will Glyphosatverbot von Klöckner. deutschlandfunk.de 
Porsche: Investitionen in E-Mobilität kratzen an Umsatzrendite. stuttgarter-nachrichten.de
Audi: Will Kosten für die Brennstoffzellentechnologie um 75 Prozent senken. Zusammenarbeit mit Hyundai. ecomento.de
Nachfrage nach nachhaltigen Anleihen: Die Umweltbank aus Nürnberg nutzt den Trend um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Dafür gibt es auch Kritik. bizz-energy.com
Freundesgruppe: Deutschland hat zusammen mit dem Pazifikstaat Nauru die Gruppe „Klima und Sicherheit“ in den Vereinten Nationen gegründet. new-york-diplo.de
Klimaforscher: Mit „El Niño“ wird in diesem Jahr gerechnet. Auswirkungen auch in Deutschland. focus.de
MunichRe: Steigt aus der Kohle aus. faz.net

WÖRTLICH GENOMMEN

„Wir leben gerade in einer Warmzeit, und jetzt kommt dieser Begriff Heißzeit, und Schellnhuber, der Chef auch vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, von denen auch diese Studie jetzt kam, spricht ja in seinem Buch sogar von Selbstverbrennung, und das mit gutem Recht. Weil globale Erwärmung – „Erwärmung“, das klingt ja irgendwie gemütlich, und man versucht jetzt, den Leuten irgendwie deutlich zu machen, dass das wirklich ein dramatischer Prozess ist. Und das Besondere an dieser Studie ist, dass sie sogenannte Kipppunkte anschaut. Wenn zum Beispiel durch die Erwärmung die Permafrostböden auftauen, dann wird dort plötzlich, also sehr spontan, viel CO2 freigesetzt, und das kann einen Dominoeffekt auslösen mit anderen Kipppunkten. Und deswegen kann es jetzt, sagen die Experten, möglicherweise sogar zu einer Erwärmung von vier bis fünf Grad kommen und einem Meeresspiegelanstieg von zehn bis 60 Metern. Vorher sprachen wir also von – also wir wollen die globale Hitze bei zwei Grad begrenzen und den Meeresspiegelanstieg bei einem Meter. Na ja, das steht jetzt doch alles noch mal zur Disposition.“
Michael Kopatz,  Umweltwissenschaftler, Dozent und Projektleiter im Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Man habe hierzulande natürlich enorme Möglichkeiten etwas dagegen zu tun. Aber dass alle Bürger das machen in Deutschland und der Europäischen Union, einfach so aus Altruismus, weil sie denken, ich muss jetzt endlich was unternehmen, die Hoffnung hätte er aufgegeben… Gerade emittiere ein Deutscher im Schnitt ungefähr zehn bis elf Tonnen CO2 im Jahr. Und wir wollten das auf 1,5 Tonnen im Jahr verringern. Und das sei nicht allein mit Technik zu schaffen, also nicht allein mit erneuerbaren Energien und Effizienz. Das machten wir alle schon seit 30 Jahren. Die Technik allein reiche Wir bräuchten kulturelle Veränderungen, eine Veränderung unserer Routinen und Gewohnheiten. Das sei das erste, was wichtig sei. Und das zweite sei, dass genau diese Veränderung dieser Gewohnheiten und unserer Routinen – das komme nicht in die Welt durch noch mehr Bildung und noch mehr Appelle. Dafür müssten sich die Verhältnisse ändern. Dann verändert sich auch das Verhalten. Beispielsweise im  Verkehrsbereich:.. dort hätten wir keinerlei Fortschritte erzielt. Überall werde von Klimaschutz geredet und von Elektroautos, aber im Verkehrsbereich sind die CO2-Emissionen null Prozent zurückgegangen, also null Erfolge im Endeffekt. …wir  müssten die Produktion verändern und die Verhältnisse… wir dürften im Grunde keine neuen Straßen bauen. Jede neue Straße werde dafür sorgen, dass noch mehr Güter auf der Straße transportiert würden. Der Lkw-Verkehr habe um 30 Prozent zugenommen, und er soll noch mal um 30 Prozent zunehmen. Und kein Spediteur werde seine Routine verändern und Güter auf die Bahn verlegen, wenn man die Straßen immer weiter ausbaue. Wir müssten die Bahn ertüchtigen. deutschlandfunk.de

„Die Politik tut sich schwer, einen Beitrag von den Autofahrern und den Hausbesitzern einzufordern und zu sagen: Kraftstoff und Brennstoff kosten jetzt mehr, und es wird teurer, wenn beispielsweise die alte Heizung nicht saniert wird. Aber an dieser Entscheidung wird man nicht vorbeikommen. Was mir wirklich fehlt, ist, dass die Politik diese Notwendigkeiten erklärt und deutlich kommuniziert. Das muss die Bundesregierung leisten. Es geht nicht, ein Klimaschutzziel nach dem anderen in die Welt zu setzen und gleichzeitig so zu tun, als ob sich für niemanden etwas ändert.“
VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann, bemängelt die ersten Monate der Bundesregierung energiepolitisch als nicht ausreichend. Es sei schwer, überhaupt etwas zu finden, was geleistet worden sei. Bislang hätte sich die Regierungsarbeit in der Energiepolitik durch Stillstand oder gar Rückschritte ausgezeichnet. Natürlich seien die ersten Monate für die große Koalition nicht einfach gewesen – angesichts des Streits um die Flüchtlingspolitik oder des Handelskonflikts mit den USA. Aber es sei wichtig, auch die Energiepolitik im Blick zu behalten. Dort stehe ebenfalls viel auf dem Spiel. In der Industrie gebe es akute Probleme, die dringend gelöst werden müssten und bei denen der Schaden jeden Tag wachse: Ein Beispiel sei die volle Belastung vieler neuerer Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen mit der EEG-Umlage. tagesspiegel.de

MEHR WISSEN

Müllmythen – und was daran wahr ist: Jeder Deutsche wirft jährlich etwa 1,5 Kilogramm Kleidung, 147 Kilogramm Lebensmittel und rund 25 Kilogramm an Plastikverpackungen in den Müll. Allerdings trennen die meisten Haushalte ihre Abfälle, viele allerdings nicht richtig. Zudem wird vor allem mit Plastikabfällen gehandelt. Derzeit boomt die Recyclingindustrie. In der deutschen Bevölkerung halten sich eine Reihe von Mythen, was Müll angeht, etwa das Papier besser als Plastik sei. Vieles davon gehört in die Tonne. zeit.de

Menschenrechte und Wertschöpfungsketten: Die globalen Werkschöpfungsketten deutscher Unternehmen sind nicht nur mit Umweltrisiken, sondern auch mit menschenrechtlichen Unwägbarkeiten verbunden. Von dieser Problematik ist nicht nur die Produktion betroffen, sondern auch die Lieferkette und die Nachnutzung der Produkte. Die Globalisierung zwingt zu einem ganzheitlichen Blick. Um sicherzustellen, dass Menschen und Ökosysteme im Ausland durch das Handeln deutscher Unternehmen nicht geschädigt werden, sind sowohl die Firmen selbst, als auch der deutsche Staat in der Pflicht. oeko.de

App gegen Landraub: Mit einer App mit dem Namen SOMAI wehren sich indigene Völker in Brasilien gegen Abholzung und Landraub. Eine NGO sammelt Daten zu Regenfällen und Abholzung, stellt aber auch die offiziellen Grenzlinien indigener Territorien auf einer Karte dar. Mit der App habe man die Möglichkeit, ungefilterte Informationen von den indigenen Gemeinden zu erhalten“, so Sineia do Valevom Volk der Uapixana. Doch das Überleben der indigenen Bevölkerung ist nicht nur Abhängig vom Landraub.Die Abholzung im Amazonas-Regenwald nähert sich dem sogenannten „tipping-point“,  also dem Punkt an dem sich der Amazonas-Regenwald in eine Savanne verwandelt mit unabsehbaren Folgen für das Erdklima. dw.com

Biosprit: Hefepilze könnten Biosprit erzeugen. bionity.com
Polen: Gewerkschaften gegen Dekarbonisierung.  klimareporter.de
Neuseeland: Verstärkt gegen Plastikmüll. nwzonline.de
USA: Mit VW Strafzahlungen Ausbau des e-Ladenetzes. welt.de
Bayern: Hohe Nitratbelastung von vielen Gewässern. sueddeutsche.de
Katzenfutter: Katzennahrung ist ein Restprodukt der Fleischindustrie, für deren Herstellung genauso CO2 produziert wird. utopia.de
Weltretter: Wie lokale Gruppen die Energiepolitik von Kommunen beeinflussen können. swp.de

DAS LETZTE:

Hacker manipulieren Herzschrittmacher: Die Herstellerfirma Medtronic sieht offenbar keine Sicherheistslücke darin, dass Hacker ihre Herzschrittmacher manipulieren können. Zuvor hatten die IT-Spezialisten das Unternehmen auf die Sicherheitslücken aufmerksam gemacht. Im Zweifelsfall könnten die Sicherheitslücken für tödliche Angriffe auf die implantierten Herzschrittmacher genutzt werden. Der Hersteller wurde vor 18 Monaten informiert, will aber dennoch kein Update liefern. heise.de

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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