FAIReconomics Newsletter KW 47 NACHRICHTEN

Weltklimakonferenz in Bonn: Am Sonnabendmorgen war es soweit, nach einer Nachtsitzung einigten sich die 195 Teilnehmerstaaten der Weltklimakonferenz in der wichtigsten Finanzfrage. Bei einem wichtigen Fonds, der den ärmeren Staaten helfen soll, ihre Staaten auf die Klimafolgen vorzubereiten, wurde Einigung erzielt. Insgesamt wird die Nachfolgekonferenz, vor allem auch nach dem Ausstieg der USA, durchaus auch von NGOs als Erfolg gewertet. Die Delegierten haben im Verlauf der Konferenz eine Textsammlung erstellt, aus der im kommenden Jahr das Regelwerk zum Pariser Abkommen entstehen soll. Ohne dieses Regelwerk ist es nicht möglich, die jeweiligen CO2-Minderung in allen Ländern nach einem einheitlichen Maßstab zu messen. Ende 2018 will man dies im polnischen Kattowitz bei der nächsten Klimakonferenz beschließen. zeit.de  , deutschlandfunk.de, welt.de , cop23.unfccc.int

Kohlekraftwerke können vom Netz: In die laufenden Sondierungsgespräche platzte letzte Woche die Nachricht, dass Experten des Wirtschaftsministerium es für  unproblematisch halten, Kohlekraftwerke abzuschalten. „Der deutsche Kraftwerkspark sei auch nach Stilllegung von sieben Gigawatt Kohlekraftwerken wettbewerbsfähig. Das würde grob überschlagen 12 bis 15 mittelgroßen Anlagen entsprechen. spiegel.de

ZAHL DER WOCHE: 

Auf rund zwei Billionen Euro belaufen sich die Kosten auf eine Wirtschaft ohne CO2 Emissionen. Je nach Höhe des Reduktionsziels von 70 oder 85 Prozent CO2-Minderung gegenüber 1990 dürften sie „im Bereich von 1000 bis 2000 Milliarden Euro liegen, schreiben die deutschen Technikakademien. Auf die nächsten 33 Jahre heruntergebrochen, seien das jährlich 30 bis 60 Milliarden Euro oder 1 bis 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.  faz.net

Deutschland enttäuscht: Im soeben veröffentlichten Klimaschutzranking enttäuscht Deutschland. Während die ersten drei Plätze des Rankings frei bleiben, weil kein Land bislang genug tut,  um die Temperatur global deutlich unter zwei Grad zu halten, wie es die Klimaziele von Paris vorsehen, finden sich Schweden, Litauen, Marokko und Norwegen auf den vorderen Plätzen. Deutschland landet auf Platz 22. Die USA befinden sich im freien Fall.  wz.de,   germanwatch.de (Bericht)

Ökostrom boomt in Deutschland: Laut Berechnungen des Energiekonzerns E.on, ist bis Mitte November in Deutschland noch nie soviel Ökostrom produziert worden, wie in diesem Jahr.  Insgesamt sind die 131 Milliarden Kilowattstunden von Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen erzeugt worden.  handelsblatt.ccom

18 Staaten wollen auf Kohlestrom verzichten: Im Rahmen der Bonner Klimakonferenz wurde bekannt, dass etliche Staaten aus der Kohleverstromung aussteigen wollen. Unter ihnen befinden sich Großbritannien, Kanada, Italien und Neuseeland, aber auch Österreich, die Schweiz, die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Kohlekraftwerke produzieren weltweit noch 40 Prozent der Elektrizität weltweit. Mit dem Ausstoß von Treibhausgasen trügen diese Kraftwerke erheblich zum Klimawandel bei, erklärt die Kohle-Ausstiegsallianz. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erklärte, dass Deutschland gefragt worden wäre, der Allianz beizutreten, doch diesen Schritt könne nur eine neue Bundesregierung entscheiden. stern.despiegel.de (Interview mit der kanadischen und der britischen Umweltministerin),

Keystone Pipeline mit Leck: Knapp 800.000 Liter Rohöl sind aus der heftig diskutierten Pipeline in South Dakota durch eine Leckage ausgetreten. Ein Mitarbeiter des Umweltministeriums des Bundesstaates sagte aber, dass das Öl vermutlich in einer dünn besiedelten Gegend auf eine landwirtschaftliche Fläche geflossen sei und keine Gewässer erreicht habe. nytimes.com

Buchtipp der Woche:  Wege zur großen Transformation – Herausforderungen für eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung.  In Zeiten von Klimawandel, Digitalisierung und Urbanisierung stehen Städte und Regionen weltweit vor großen Herausforderungen. Mit dem Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energieressourcen stehen auch gewohnte Lebensformen und unser heutiges Wirtschaftssystem zur Disposition. Wie können vor diesem Hintergrund lebenswerte »Zukünfte« für kommende Generationen aussehen – und wie eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung? Welche Chancen und Potenziale bieten Städte und Regionen für die geforderte »große Transformation«? Und welche Instrumente sind dafür in der Stadt- und Raumplanung vorhanden bzw. nötig? Mit diesen und weiteren Fragen befassen sich in diesem Band junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen. Sie beleuchten mögliche Wege und Ansatzpunkte in Richtung einer »großen Transformation«. oekom.de

Herbststürme: Rekord bei der Ökostromerzeugung.  faz.net
VW-Investitionen: Der Autokonzern will 34 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren. ndr.de
Prozess gegen Tagebau: BUND Klage gegen Rahmenbetriebsplan wird morgen verhandelt. general-anzeiger-bonn.de
Treibhausgasemissionen:  Bilanz der Treibhausgasemissionen im Bereich der Landnutzung haben sich verschlechtert. topagrar.com
Japan und der Wasserstoff:  Nicht nur ein Autoproduzent, sondern ein ganzes Land schwenkt auf Wasserstoff um.  spiegel.de
Wölfe: Der Umgang mit den wilden Tieren polarisiert Deutschland. focus.de
RWE: Verkaufsgerüchte um Ökostromtochter Innogy.  faz.net
Umweltbank: Die Nürnberger Umweltbank nimmt UN-Nachhaltigkeitsziele in Satzung auf. eco-reporter.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„Durch die Sondierungsgespräche der Jamaika-Parteien und die UN-Klimakonferenz steht die Energiewende wieder oben auf der politischen Agenda. Wichtig ist jetzt, dass wir uns nicht in Debatten über Einzelmaßnahmen verstricken und damit die Perspektive verengen. Das große Ziel ist eine nahezu emissionsfreie Volkswirtschaft im Jahr 2050. Mit welchen Technologien und Geschäftsmodellen wir dieses Ziel erreichen, kann heute niemand genau sagen; aber wir können heute die Voraussetzungen dafür schaffen, dass innovative Unternehmen diese Technologien und Geschäftsmodelle entwickeln.“
Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, wir bräuchten einen neuen ökonomischen Rahmen, der den Markt konsequent auf die Reduzierung von CO2-Emissionen ausrichte. Überall seien Innovationen gefragt, in Energie, Industrie, Gebäude, Verkehr und über die Sektoren hinweg. Das historisch gewachsene System aus technologiespezifischen Steuern, Umlagen und Abgaben sei zu einem Dschungel angewachsen, der die Entwicklung hemme. Mit einem neuen ökonomischen Rahmen könnten wir das System vereinfachen und klare Anreize für die Reduktion von CO2-Emissionen setzen. dena.de

„In der Wissenschaft war es eigentlich immer klar, dass man einen CO2-Preis braucht. In zunehmendem Maße machen sich dafür aber auch Industrieverbände und die Umweltverbände stark. Die Industrieverbände machen sich deswegen stark, weil für viele Branchen ein CO2-Preis essentiell ist, zum Beispiel für die Erneuerbaren Energien.“

Prof. Ottmar Edenhofer, stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK),  eine Tonne CO2 koste die Gesellschaft etwa 150 Dollar. Der Preis komme dadurch zustande, , dass die Finanzminister in großen Teilen der Welt ihre Ölexporte subventionierten und Kohle viel zu billig verkauft werde. Wenn wir Kohle verkauften, dann würden die Kosten durch die lokale Luftverschmutzung nicht eingerechnet werden. Und diese lokale Luftverschmutzung bringe dreimal mehr Tote als Malaria, Aids und Tuberkulose mit sich. Das sei also keine Kleinigkeit. Man müsse natürlich diese Kosten mit einberechnen. Man könnte es vielleicht so sagen: Die Kohle sei auf dem Markt billig, aber für die Gesellschaft sehr teuer. dw.com

MEHR WISSEN

Fusion Bayer und Monsanto: Die Übernahme von Monsanto durch den deutschen Argrachemieriesen Bayer wirft die Frage auf, welche Landwirtschaft wir in Zukunft haben wollen. Mit Glyphosat stellt Monsanto ein umstrittenes Pflanzenschutzmittel her. Wie wird die Landwirtschaft in Zukunft aussehen, die Digitalisierung ist in viele Bereiche schon eingezogen. Zudem müssen immer mehr Menschen ernährt werden. deutschlandfunk.de

Siemens und die Energiewende: Gasturbinen scheinen ein Auslaufmodell bei Siemens zu sein. Die Energiewende sorgt dafür, dass erneuerbare Energien immer häufiger Großkraftwerke verdrängen.Die riesigen Gasturbinen von Siemens werden in Zukunft deshalb immer seltener gebraucht, der Konzern ist gezwungen, umzubauen. sueddeutsche.de

Nachhaltige Geldanlage: Die Triodos Bank ist ein Geldhaus, dass auf Nachhaltigkeit setzt. Das Bankhaus mit den niederländischen Wurzeln setzt dabei auf ganzheitliche Projekte, etwa bei einem Produkt, dass sich  Triodos Bürgersparen nennt. In einem Gemeinschaftsmodell aus Projektentwickler und Bank können sich beispielsweise Anwohner aus der direkten Nachbarschaft an dem finanziellen Erfolg etwa eines Erneuerbare-Energien-Projekts beteiligen. enorm-magazin.de

Toiletten und Hygiene: Keine Erfindung hat so viele Menschenleben gerettet.  dw.com
China: Das Reich der Mitte mausert sich zum Klimamusterland.  taz.de
Nachhaltigkeit beim Reisen: Nachhaltiges Reisen wird auch für Touristikkonzerne immer wichtiger  morgenpost.de

KALENDER

23. November 2017, 18.00 Uhr Forum Unternehmen und Menschenrechte: „Transparenz und Haftung entlang der Lieferkette –
wie weit geht unternehmerische Verantwortung?“ 
Der Wirtschaft wird eine wichtige Rolle bei einer fairen (Um-) Gestaltung der Globalisierung zugewiesen. Diese Verantwortung wird zunehmend auch durch nationale Gesetzgebung, wie die CSR-Berichtspflicht oder den UK Modern Slavery Act, eingefordert. unternehmen-menschenrechte.org.

28. November 2017, ganztägig, hub Berlin, Europe’s interactive business festival for digital movers and makers hub.berlin

30. November 2017 , Berlin, Mit Sharing nachhaltiger wirtschaften? Sozial-ökologische Potenziale der digitalen Kultur des Teilens. peer-sharing.de

DAS LETZTE:

Generation Unverbindlich:  So heisst die Studie von Daniel J. Kurth. Als Leiter in der Konzernstrategie der Deutschen Bahn und Carsharing-Geschäftsführer gewann er aktuelle und praxisrelevante Einblicke in die Entscheidungsvorgänge. In seiner Studie fragt Kurth nach den Beweggründen der Nutzer bei der Anmeldung und Buchung der Angebote von Carsharingdiensten. Das Ergebnis der Studie: Es sei nicht rationales Nachdenken oder die Überzeugung  die bei der Auswahl zum Beispiel von Verkehrsmitteln der Treiber sei, sondern  viel mehr eine „Faulheit in der Entscheidung“ und die „Lästigkeit von Besitz“. „Je geringer die Verbindlichkeit, desto eher nutzt der Kunde das Angebot, weil er sich so gar nicht mehr richtig entscheiden muss“. heise.de

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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