Um Beifang geht es beim Deutschen Fischereitag

Heute beginnt das Jahrestreffen der Fischereibranche, der Deutsche Fischereitag in Rostock.

Ein Thema auf dem Kongress wird das Verbot sein, unerwünschte Beifänge zurück ins Wasser werfen zu müssen. Der Verband hat Wissenschaftler eingeladen, die technologische Lösungen erörtern werden, wie man derartigen Beifang für die menschliche Ernährung nutzbar zu machen.

Die bisherigen Regelungen sehen vor, dass man aus ihnen bislang nur Fischmehl für Tierfutter produzieren darf.

Das Problem: Die Fischer müssen auch überlebensfähige Jungfische mit an Land nehmen. Diese Beifänge werden ihnen aber auf ihre Fangquoten angerechnet. Während die  EU will mit dieser Regelung die Fischer dazu bringen, mit speziellen Fangmethoden, nur die Fische zu fangen, die zugelassen sind.

Anlässlich des Jahrestreffens meldete sich auch der WWF zu Wort. Er mahnte in diesem Zusammenhang  Fischereireformen und Änderungen im Konsumverhalten an. „Wir Deutschen haben unsere Ration für dieses Jahr eigentlich schon aufgegessen. In der zweiten Jahreshälfte essen wir importierten Fisch, der anderswo fehlt, sei es als Nahrung oder auch als Stütze lokaler Wirtschaftsstrukturen“, so Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF.

Fischbestände

Ohne Überfischung würden Europas Fischbestände länger reichen, auch Deutschland könnte sich drei Monate länger mit Fisch aus eigener Fischerei versorgen. Angesichts überfischter Meere stehe die Branche vor enormen Herausforderungen und müsse ihre Hausaufgaben hinsichtlich Ökologie und Fairness dringend erledigen. „Wer auch morgen noch volle Netze haben will, muss jetzt die notwendigen Reformen durchziehen“, so Schacht.

Export des Nachhaltigkeitsgedankens

Der WWF fordert einerseits, die beschlossenen EU-Vorgaben zu nachhaltigen Höchstfangmengen, selektiverem Fanggerät und einem Rückwurfverbot für unerwünschte Fänge fristgerecht und wirksam in die Praxis umzusetzen. Zudem sieht der WWF die deutsche Fischereibranche in der Pflicht, den Nachhaltigkeitsgedanken auch zu exportieren. „Die Fischerei muss nachhaltiger werden, das gilt für Nord- und Ostsee, aber eben auch für Übersee, wo der Großteil unseres Fisches mittlerweile herkommt“, fordert Karoline Schacht.

Bedeutungsverlust der deutschen Fischerei

Die deutsche Fischerei verlor über die Jahre an Bedeutung, heute wird der Markt von Importen bestimmt. Nur 12 Prozent des in Deutschland verzehrten Fischs stammen aus eigener Fischerei oder hiesiger Fischzucht. Den überwiegenden Teil beziehen wir aus über 100 Ländern. Besonders wichtig ist dabei der Import von Lachs, Shrimps und Thunfisch. Oft wurde dieser Fisch vor den Küsten von Entwicklungs- und Schwellenländern gefangen oder gezüchtet: Fast 60 Prozent der Importe stammen aus nicht europäischen Staaten. Für die Verbraucher in Deutschland, bei denen Fisch mit 13,7 Kilo jährlichem Pro-Kopf-Verzehr weiter hoch im Kurs steht, leitet sich daraus nach Ansicht des WWF ebenfalls eine Verantwortung ab.

„Während wir aus einer Vielfalt exotischer Fischspezialitäten auswählen können, sind viele Menschen in den Entwicklungsländern abhängig von dem, was ihnen ihr Küstenmeer zur Verfügung stellt“, so Karoline Schacht. Der Importweltmeister Europa, der ein Viertel des weltweit gehandelten Fisches konsumiert, gleicht Engpässe in der Selbstversorgung mit Einfuhren aus. „Wir haben also Verantwortung für die Gestaltung einer nachhaltigen Fischerei, die den Menschen vor Ort langfristig erhalten bleiben muss“, so Schacht. „Ein bewusster Konsum und eine Fischerei, die auch in externen Gewässern nachhaltig operiert, sind dafür entscheidend.“

Fish Forward – WWF-Kampagne zu nachhaltigem Fischkonsum in 11 europäischen Ländern:
Die von der EU kofinanzierte Informationskampagne „FishForward“ soll zwischen Nordsee und Adria das Bewusstsein schärfen für die Zusammenhänge zwischen unserem Fischkonsum und seinen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern. Die Kampagne startet im Herbst 2015, im European Year for Development (EYD2015).

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

Ähnliche Beiträge

Der österreichische Milliardär René Benko scheint nicht locker zu lassen. Insidern zu Folge...

Sie wird so strikt dementiert, doch je mehr Auskünfte verweigert werden, desto mehr schießen...

Am 15. September startet die 16. Faire Woche unter dem Motto „Fairer Handel schafft Perspektiven“....

Antworten