Grüne Anleihen, also Green Bonds, werden zur Finanzierung von nachhaltigen Projekten immer wichtiger.

Wenn es um die Mobilisierung von Kapital für grüne und nachhaltige Investitionen geht, sind Green Bonds ein wirkungsvolles Instrument. Erst vor wenigen Jahren entstanden, entwickelt er sich zu einem wichtigen Markt, der dazu beiträgt,   bestehende Finanzierungslücken im Umwelt- und Klimaschutz zu schließen. Grüne Anleihen sind dabei sowohl für private als auch für öffentliche Investoren attraktiv.

Frederic Eisinger

FAIReconomics sprach mit Frederik Eisinger, Senior Projektmanager bei adelphi über den Markt und die Herausforderungen. Eisingers fachlicher Schwerpunkt liegt in den Bereichen Ressourceneffizienz, Abfallmanagement, Green Finance sowie Umwelt- und Klimaschutz im Privatsektor.

Welche Ziele im Sinne der Nachhaltigkeit verfolgen Green Bonds? Wie unterscheiden sie sich von anderen Finanzierungsformen und wo grenzen sie sich ab, zum Beispiel beim gerade derzeit beliebten Crowdfunding?

Frederik Eisinger: Green Bonds werden von Unternehmen, öffentlichen Institutionen oder Banken emittiert, um damit grüne Investitionen zu finanzieren bzw. zu refinanzieren. Da die weltweite Nachfrage nach Green Bonds aktuell hoch ist und immer mehr Emittenten in den Markt einsteigen, können durch Green Bonds möglicherweise beträchtliche Mittel für grüne Themen, wie Umwelt- und Klimaschutz sowie Klimawandelanpassung, bereitgestellt werden.

In Deutschland werden Green Bonds bisher ausschließlich von Banken emittiert. Diese nutzen die Erlöse zur Refinanzierung von grünen Krediten. In Zukunft könnten aber auch Unternehmen und Bund, Länder oder Kommunen Green Bonds emittieren, um Investitionen in grüne Projekte zu finanzieren und somit zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Dabei bieten Green Bonds allen Beteiligten viele Vorteile. So können Emittenten über die Auseinandersetzung mit umwelt- und klimaspezifischen Risiken ihr Geschäft langfristig nachhaltig ausrichten und neue Investorengruppen ansprechen. Längerfristig erwarten deutsche Emittenten auch bessere Finanzierungkonditionen gegenüber vergleichbaren konventionellen Anleihen. Für Investoren erlaubt die erhöhte Transparenz bezüglich der Mittelverwendung bei Green Bonds ebenfalls ein besseres Risikomanagement.

Green Bonds sind vor allem für mittlere bis große Emittenten relevant, da mit der Emission bestimmte Auflagen und Kosten verbunden sind. Green Bonds haben gewöhnlich ein Volumen von EUR 50 Millionen oder mehr – anders als beispielsweise beim Crowdfunding werden mittels Grüner Anleihen also sehr große Investitionen finanziert.

Über die Emission von (Green) Bonds haben Emittenten einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt. Hier können sie teilweise bessere Finanzierungskonditionen erzielen, als dies bei Bankkrediten möglich wäre. Grundsätzlich unterscheiden sich Green Bonds in der Struktur nicht von normalen Anleihen. Jedoch haben Green Bond Investoren zumeist spezifische Anforderungen an Green Bonds, in Bezug auf die Mittelverwendung und Berichterstattung.

Wie kann ein Anleger unterscheiden, ob es sich um ein tatsächliches Grünes Projekt handelt oder nur um Greenwashing?

Frederik Eisinger: Bevor Anleger in Green Bonds investieren, sollten sie prüfen, ob sich die Emittenten auf eines der beiden etablierten Rahmenwerke – die Green Bond Principles oder den Climate Bonds Standard – berufen. Diese Rahmenwerke enthalten Empfehlungen dazu, wie Emittenten die richtigen grünen Projekte auswählen können und wie die Mittelverwendung und Berichterstattung gestaltet sein sollten.

Während die Einhaltung der Green Bond Principles freiwillig ist, gibt es für den Climate Bonds Standard eine Zertifizierungsmöglichkeit. In Deutschland hat Beispielsweise der Green Bond der DKB eine solche Zertifizierung erhalten.

Sogenannte Second Party Opinions, also von externen Beratern erstellte Zweitmeinungen, erhöhen die Sicherheit für Anleger. Darin wird unter anderem beschrieben, wie der Emittent die Erlöse seines Green Bonds zu verwenden plant. Je detaillierter eine Second Party Opinion ist, desto genauer kann der Investor nachverfolgen, in welche grünen Projekte bzw. Kredite sein Geld fließt. Da Second Party Opinions von Emittenten finanziert werden, muss hier jedoch stets auf Neutralität geachtet werden.

Schließlich sollten die Anleger auch nach der getätigten Investition prüfen können, ob ein Green Bond allen ihren Anforderungskriterien gerecht wird. Emittenten sollten daher regelmäßig über die Mittelverwendung berichten, um Transparenz über die gesamte Laufzeit der Anleihe zu schaffen. Viele Emittenten stellen entsprechende Informationen auf ihren Websites und über ihre Nachhaltigkeitsberichte zur Verfügung. Zudem lassen immer mehr Emittenten die realen Wirkungen der über Green Bonds (re)finanzierten grünen Projekte messen, um so ihren Beitrag zur grünen Transformation sicherstellen zu können.

Bislang sind es eher Banken, Entwicklungsbanken und Firmen, die Green Bonds als Anleihen auflegen. Polen ist bislang wohl der einzige Staat, der mit einer Grünen Anleihe an den Markt gegangen ist. Wäre es nicht überlegenswert, beispielsweise Teile der – für die Verbraucher – sehr teuren Energiewende und des Netzausbaus über staatliche Green Bonds zu finanzieren?

Frederik Eisinger: Im Jahr 2016 wurden 30 Prozent der weltweiten Green Bonds von Unternehmen emittiert. Weitere 30% bzw. 21% stammten von privaten Banken und öffentlich finanzierten Entwicklungsbanken. Der Anteil von Kommunen belief sich auf 13%. Staatsanleihen machten hingegen nur 1 Prozent aus – im Jahr 2016 war Polen das erste Land weltweit, das einen Green Sovereign Bond begeben hat.

In Deutschland stammen Grüne Anleihens bislang ausschließlich von Banken. Viele Marktakteure würden eine Erweiterung des Emittentenkreises unterstützen, um so das Wachstum des Green Bond Markts anzukurbeln. Auch die deutsche Bundesregierung könnte staatliche Green Bonds auflegen, mit denen sie beispielsweise die Energiewende finanzieren könnte.

Da Green Bonds in Deutschland bisher jedoch für Emittenten ebenso „teuer“ sind wie vergleichbare konventionelle Anleihen, kann die Bundesregierung grüne Investitionen genauso gut über konventionelle Bundesanleihen finanzieren. Dies kann sogar einfacher sein, da Bundesanleihen bereits am Markt etabliert sind und mit weniger Aufwand bei der Projektselektion, Mittelverwendung und Berichterstattung einhergehen. Dennoch hätten grüne Bundesanleihen wahrscheinlich eine positive Wirkung auf die Entwicklung des Landes, da ein solches Engagement für eine größere Prominenz von Green Bonds und für weiteres Interesse bei allen Marktteilnehmern sorgen würde. Grundsätzlich stellt sich die Frage, in welchem Umfang die nachhaltige Transformation Deutschlands über neue Schulden finanziert werden soll.

Welche Maßnahmen würden dazu führen, dass Green Bonds attraktiver für institutionelle und private Anleger werden?

Frederik Eisinger: Green Bonds bieten aktuell eine vergleichbare Rendite zu konventionellen Anleihen. Darüber hinaus ermöglichen sie es den Anlegern, über die Umwelt- und Klimaschutzeffekte der finanzierten Investitionen zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Vor diesem Hintergrund sind Green Bonds momentan bei Anlegern sehr beliebt und es kommt regelmäßig zu Überzeichnungen der Orderbücher. Jedoch sind vor allem institutionelle Investoren auf dem Grünen Anleihemarkt Markt aktiv.

Für (deutsche) Privatanleger sind Direktanlagen in Green Bonds noch schwierig. Neben der Überzeichnung der Orderbücher durch institutionelle Investoren ist aktuell auch die große Stückelung vieler Emissionen noch ein Hindernis, auch wenn beispielsweise die KfW und die NRW.BANK bereits Green Bonds in 1.000er Stückelung anbieten und diese an Börsen gelistet sind. Ein Zugang zum weltweiten Green Bond Markt ist für Privatanleger vor allem über eine limitierte Anzahl von Green Bond Fonds, beispielsweise dem „Allianz Green Bond“, möglich. Eine kleinere Stückelung und der Aufbau von Fonds würde also den Zugang zum Green Bond Markt für private Anleger stärken.

Auch die weitere Ausgestaltung (freiwilliger) Green Bond Standards kann dabei helfen, die Qualität von Green Bonds für Investoren und andere Marktteilnehmer leichter nachprüfbar zu machen und somit Interesse und Vertrauen zu stärken.

Hier geht es zur adelphi-Studie. 

Eisinger, Frederik; Annica Cochu und Rainer Agster 2017:
Der deutsche Green Bond Markt – für ein langfristiges Wachstum. Studie in Kooperation mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB. Berlin: adelphi.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

Ähnliche Beiträge

Wasserstoff und Wasserstoffantriebe führen in der aktuellen Diskussion um die Verkehrswende in...

Das Erdklima ist aus dem Gleichgewicht geraten: Weil sich in der Atmosphäre immer mehr CO2 sammelt,...

Nachhaltigkeit und ein umweltbewusstes Leben zu führen wird für immer mehr Menschen zur...

Antworten