Hohe Verluste bei E.on

Unternehmen, Wirtschaft  /   /  Von Frank Tetzel
Michael Sen, Finanzvorstand von E.on betont, dass man komplett im Zeitplan des Konzernumbaus liege. (Foto: e.on)

Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres enstand bei dem Energiekonzern ein Verlust von 5,7 Milliarden Euro, im dritten Quartal allein machte das Unternehmen einen Verlust  von etwas weniger als sieben Milliarden Euro. 

Vor allem der niedrige Strompreis setzt dem Unternehmen zu. Die Verluste kamen vor allem durch Abschreibungen zu Stande. Dennoch liege man beim geplanten Umbau des Konzerns im Zeitplan, hieß es aus dem Unternehmen.

Konzernchef Johannes Teyssen erklärte anlässlich der heutigen Veröffentlichung des Neun-Monats-Berichts: „Die Führungsmannschaften von E.ON und Uniper stehen bereit und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, in welchen Teams sie zukünftig arbeiten werden. Mit den Vertretern der Mitbestimmung wurde ein Interessenausgleich vereinbart. Wir gehen mit der operativen Trennung der Aktivitäten auf die Zielgerade.“

Wenige Wochen vor dem operativen Start von Uniper im Januar hält E.ON an seiner Prognose für das Gesamtjahr 2015 fest und geht weiterhin von einem EBITDA zwischen 7 und 7,6 Milliarden Euro sowie einem nachhaltigen Konzernüberschuss zwischen 1,4 und 1,8 Milliarden Euro aus. Die Werte beider Kennzahlen liegen nach den ersten neun Monaten 2015 im Rahmen der Erwartungen und damit weiter deutlich unter den Vergleichszahlen des Vorjahres.

Das EBITDA beträgt 5,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,5 Milliarden Euro, -18 Prozent), der nachhaltige Konzernüberschuss 962 Millionen Euro (Vorjahr: 1,4 Milliarden Euro, -30 Prozent). Die wirtschaftliche Nettoverschuldung konnte seit Jahresbeginn um 5,3 Milliarden Euro auf jetzt 28,1 Milliarden Euro zurückgeführt werden. Der operative Cashflow war mit 5,7 Milliarden Euro weiter hoch, aber niedriger als im Vorjahr (-23 Prozent), das von Sondereffekten geprägt war. E.ON bekräftigte die geplante Dividende von 0,50 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2015. Die schon angekündigten und im dritten Quartal erfassten Wertberichtigungen von 8,3 Milliarden Euro belasten den Konzernüberschuss und führen zu einem deutlichen Fehlbetrag in den ersten neun Monaten. Sie werden als außergewöhnliche Effekte im nachhaltigen Konzernüberschuss nicht berücksichtigt.

Konzernhaftung – Verunsicherung durch Stresstest

Finanzvorstand Michael Sen: „Das war ein sehr bewegtes und ereignisreiches Quartal – denken Sie an die Diskussionen um Konzernhaftung und anschließend die Entwicklungen rund um das Gutachten zum Kernenergie-Stresstest. Das hat auch uns intensiv beschäftigt, aber vor allem hat es auch Spuren im Kursverlauf der E.ON-Aktie hinterlassen; zum Teil mit erheblichen Verwerfungen. Viele Marktteilnehmer waren verunsichert, denn wie wir wissen, ist Kapital ein scheues Reh.

In den heute veröffentlichten Zahlen sind die im September angekündigten hohen Wertberichtigungen vor allem bei Goodwill und anderen Vermögenswerten in Höhe von 8,3 Milliarden Euro, enthalten. Diese Wertberichtigungen sind die Folge eines deutlichen Rückgangs der Rohstoff- und Energiepreise, im Wesentlichen zurückzuführen auf strukturelle Veränderungen in den globalen Energiemärkten sowie auf regulatorische Rahmenbedingungen. Wir agieren weiterhin in einem äußerst schwierigen Umfeld. Unsere Prognose für 2015 können wir bestätigen, nicht zuletzt weil wir im operativen Geschäft gut voran kommen: Die beiden Offshore-Windparks Amrumbank West und Humber Gateway in der Nordsee mit zusammen gut 500 Megawatt Kapazität sind nun ebenso vollständig in Betrieb wie unser Kraftwerksprojekt Berezovskaya 3 in Russland mit 800 Megawatt. Sowohl E.ON als auch Uniper erhalten somit neue profitable Anlagen, die ihre jeweilige Ausrichtung optimal unterstützen.“

Das EBITDA liegt nach neun Monaten rund 1,1 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert. Das regionale Geschäft in Deutschland und anderen europäischen Märkten konnte zulegen. Im Segment Erzeugung wirkten sich Stilllegungen von Kraftwerken und die Veräußerung der Aktivitäten in Spanien und Italien deutlich negativ aus (-32 Prozent). Der Rückgang des EBITDA bei den Erneuerbaren Energien (-17 Prozent) ist auf die gesunkenen Großhandelspreise für Strom und einen positiven Einmaleffekt im letzten Jahr zurückzuführen. Im Segment Globaler Handel (-42 Prozent) gibt es einen innerjährlichen Effekt im CO2-Handel, der sich planmäßig im letzten Quartal des Jahres auflösen wird. Niedrige Ölpreise und der Verfall des Rubels beeinträchtigten die Geschäfte in den Segmenten Exploration & Produktion (-24 Prozent) und Nicht-EU-Länder (-46 Prozent).

Zur Rückführung der Schulden erklärte Michael Sen: „Wir haben unsere wirtschaftliche Nettoverschuldung seit Ende des letzten Jahres um 5,3 Milliarden Euro verringert. Dazu haben ganz wesentlich der hohe operative Cashflow und die Einnahmen aus unseren Veräußerungen beigetragen. Aber auch die reduzierten Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen haben sich positiv ausgewirkt. Der Abgang unseres norwegischen Gas- und Öl Fördergeschäfts an DEA Deutsche Erdoel AG soll im vierten Quartal erfolgen und dann einen weiteren positiven Effekt auf unsere wirtschaftliche Nettoverschuldung haben. Wir führen unsere Schulden Schritt für Schritt zurück und erhöhen dabei unseren unternehmerischen Handlungsspielraum.“

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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