In einem neuen Projekt untersucht die Hochschule Geisenheim inwieweit die Biodiversität wichtige Prozesse im Weinberg wie z.B. die Bodenaktivität, die Schädlings- und Unkrautkontrolle und die Wasserspeicherung unterstützen kann.

„Es gibt große Wissenslücken bezüglich der Wechselwirkungen zwischen Artenvielfalt und diesen sogenannten Ökosystemdienstleistungen, d.h. Dienstleistungen der Natur zum Nutzen des Menschen“ erläutert Prof. Dr. Ilona Leyer, Koordinatorin des Verbundprojektes, das gemeinsam mit Partnern aus Frankreich, der Schweiz, Österreich und Rumänien durchgeführt wird. „Gerade Weinbergsökosysteme eignen sich aber hervorragend dafür, diese komplexen Zusammenhänge zu untersuchen: Sie haben im Vergleich zu einjährigen Kulturen ein großes Potenzial, um Biodiversität auf der Anbaufläche selber zu schaffen. Außerdem verfolgt der Weinbau weniger das Ziel, hohe Erträge sondern Qualitätsprodukte zu erzeugen. Diese Spielräume gilt es zu nutzen, um positive Effekte für den Weinbau durch eine Förderung der Biodiversität zu erzielen.“

Das Projekt wird mit knapp 1,2 Mio. Euro durch nationale Förderorganisationen im Rahmen des europäischen Netzwerkes BiodivERsA und der Joint Programming Initiative FACCE gefördert. Für Deutschland ist dies das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

„Im Fokus unserer Untersuchungen steht die Analyse der Diversität von unterschiedlichen funktionalen Gruppen im Boden wie Bakterien, Pilzen, Pflanzen und Bodentieren. Wir beziehen dafür Faktoren, die das Ausmaß der Biodiversität beeinflussen können, in unsere Untersuchungen mit ein. Hierzu gehören z.B. verschiedene Begrünungsvarianten im Weinberg selbst als auch Elemente in der umgebenden Landschaft wie Hecken, Feldgehölze oder Grünland“ erklärt Mitkoordinatorin Prof. Dr. Annette Reineke die auf drei Jahre angelegte Studie. Die Untersuchungen werden nach einem genau festgelegten Design in allen fünf teilnehmenden Ländern durchgeführt, um die Ergebnisse überregional vergleichen zu können. Die Hauptaufgabe am Anfang des Projektes bestand dabei darin, Winzer mit geeigneten Weinbergen für die Untersuchungen zu finden. Ilona Leyer und Annette Reineke freuen sich über das große Interesse der Winzer, am Projekt mitzuwirken und sich mit Fragestellungen der Biodiversität zu beschäftigen. Die Ergebnisse des Projektes und daraus ableitbare Handlungsempfehlungen an alle Interessengruppen und die Politik zu kommunizieren, ist ein weiterer wichtiger Aspekt des Arbeitsprogramms.

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