Gilles Pargneaux im Interview (Foto: EU Parlament)

Steigende Temperaturen, schmelzende Gletscher, vermehrt Dürreperioden und Überschwemmungen. Der Klimawandel ist Realität. Im Dezember soll auf der UN-Klimakonferenz in Paris ein neues Klimaabkommen beschlossen werden. Der Umweltausschuss hat am Mittwoch einen Bericht angenommen, in denen das EU-Parlament seine Prioritäten für die Verhandlungen festlegt. Nach der Abstimmung haben wir ein Interview mit dem Berichterstatter Gilles Pargneaux (S&D) aus Frankreich geführt. 

Ihr Bericht fordert, die Treibhausgasemissionswerte bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Wie überzeugen Sie China, die USA, die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten, dieses ambitionierte Ziel anzunehmen? 

Es handelt sich hier um einen Verhandlungsprozess. Mein Bericht wurde heute Morgen vom Umweltausschuss angenommen. Die Abstimmung im Plenum findet am 14. Oktober statt. Der Bericht repräsentiert die offizielle Position des EU-Parlaments.

Das EU-Parlament wird auf der Klimakonferenz COP 21 in Paris vertreten sein. Sobald wir uns auf unsere Position, die im Vergleich zu anderen Staaten wie China sicherlich sehr ambitioniert und progressiv ausfallen wird, geeinigt haben, wird es unser Ziel sein, die anderen Teilnehmerländer zu überzeugen. Wir werden eine offizielle Delegation stellen und in Kontakt mit Drittstaaten sein. Die Klimakonferenz COP21 ist ein internationales Gipfeltreffen, auf dem nicht nur diskutiert wird, sondern auch Entscheidungen getroffen werden.


In Ihrem Bericht fordern Sie zusätzliche Finanzmittel für Klimaschutzma
βnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels. Wie sollen diese Maβnahmen finanziert werden? 

Wir benötigen ein glaubwürdiges Finanzpaket, einen Fahrplan, um 100 Milliarden Dollar pro Jahr für den „Green Climate Fund“ (Grüner Fonds) bereitzustellen. Mithilfe dieses Fonds können Entwicklungsländer unterstützt werden, die nicht über die entsprechenden Mittel verfügen, um Maβnahmen gegen den Klimawandel zu setzen.

Der Fonds finanziert sich über die Beiträge der einzelnen Staaten. Der Bericht beinhaltet auch Vorschläge für „innovative“ Finanzierungsmechanismen in Verbindung mit zum Beispiel neuen Energien. Das Finanzpaket wird sicherlich ein wesentlicher Eckpfeiler des Klimaabkommens sein. Wenn wir uns nicht auf den Grünen Fonds einigen, dann werden wir meiner Ansicht nach kein oder nur ein halbherziges Abkommen erzielen.


Welche Rolle wird das EU-Parlament in den Verhandlungen spielen? 

Das EU-Parlament soll sich dafür einsetzen, dass die COP21 ein Erfolg wird. Wenn wir keine Aktionen setzen, dann wird die globale Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad ansteigen. Naturkatastrophen und Ernährungskrisen werden immer häufiger auftreten. Experten gehen davon aus, dass damit rund 200 Millionen Menschen weltweit zu Flüchtlingen des Klimawandels werden.

Über den Autor

Markus Lichtenberg ist Journalist und spezialisiert auf Thema rund um Mobilität und Stadtentwicklung.

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