Mario Pieper ist bei BSH Chief Digital Officer. Faireconomics hat sich mit ihm über das Thema Entwicklung von Smart Home Geräten unterhalten. (Foto: BSH)

Wie wird es zukünftig in deutschen Küchen aussehen und was haben Hausgeräte mit Smart Home zu tun. Wie kann diese Technologie zur Energiewende beitragen, oder stehen die Entwicklungen eher für einen neuen komfortablen Lebensstil? FAIReonomics sprach mit Mario Pieper, Chief Digital Officer der BSH Hausgeräte GmbH.

Wie sieht der Haushalt der Zukunft aus?
Der Haushalt der Zukunft wird sich über individuelle Lösungen und relevante Services noch flexibler an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Kreative, digitale Kommunikationsangebote werden das gemeinsame Kochen noch einfacher und inspirierender machen und damit ganz neue Erlebnisse im Lebensraum Küche schaffen.

Schon heute führt unsere digitale Plattform Home Connect die Vorteile des vernetzten Haushalts zusammen: einfach und intuitiv begleitet die markenübergreifende App mit vielfältigen Anwendungen Konsumenten in ihrem Lebensalltag. Home Connect arbeitet kontinuierlich daran, in Kooperation mit Hausgerätemarken, Technologiepartnern und Entwicklern zukunftsorientierte Lösungen und Services bereitzustellen, die den Konsumenten mit relevantem Mehrwert überzeugen – ob es mobiler Bedienkomfort, individualisierbare Services, verlässliche Sicherheit oder ein transparentes Energiemanagement ist.

Wie werden Menschen in Zukunft backen, kochen, waschen?
Der Lebensrhythmus im Haushalt und die damit verbundenen Aktivitäten werden sich weiter individualisieren. Die Küche rückt hier als Lebensraum immer stärker in den Mittelpunkt – als Ort für gemeinsames Kochen und Genießen und als Ausdruck individuellen Lebensstils. Ernährung ist für viele Menschen heute zu einer Lebenseinstellung geworden. Das geht einher mit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Herkunft und Verarbeitung von Lebensmitteln bis zu deren Zubereitung.

Hier ist Hausgerätetechnologie kein Selbstzweck – es geht vor allem um die Fähigkeit, die Lebenswirklichkeit der Menschen mit unserem Wissen und Können zu begreifen und mit Lösungen und Erlebnissen zu bereichern. Das gilt für alle unsere Produktentwicklungen: Entscheidend wird hier sein, wie wir uns auf Basis unseres weltweit erfolgreichen analogen Hausgeräteportfolios mit digitalen Lösungen weiterentwickeln. In Zukunft werden unsere Konsumenten beispielsweise auf noch mehr inspirierende Content-Angebote zugreifen können und unterstützt von kognitiven Assistenten neue Erlebnisse im Haushalt erfahren.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Smart Home?
Smart Home steht für intelligente Hausvernetzung und ist heute bereits Realität. Mit Home Connect setzen wir Maßstäbe für eine intelligente Vernetzung im Haushalt, die sich konsequent an den Bedürfnissen moderner Konsumenten orientiert. Entscheidend ist, dass wir Home Connect von Anfang an als digitales Ökosystem konzipiert haben. Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus anderen Branchen und externen Entwicklern, die unsere Software Development Kit (SDK) Schnittstelle kreativ nutzen, entsteht gerade eine schnell wachsende Home Connect Community. Sie bietet ihren Nutzern in zwei Bereichen attraktiven Mehrwert: da wäre einmal der an der Lebenswirklichkeit ausgerichtete und damit relevante Content und zum anderen die Integration der vernetzten Hausgeräte-steuerung in weitere Smart Home Anwendungen.

Als Plattform ist Home Connect offen für Produkte und Services weiterer Technologiepartner. So kooperieren wir mit der Anfang 2016 gegründeten Robert Bosch Smart Home GmbH, die bereits eine App zur intelligenten Haussteuerung in den Bereichen Heizen, Lüften und Beleuchten entwickelt hat. Ziel der Partnerschaft ist eine Integration von ausgewählten Funktionen der Home Connect App in die App der Robert Bosch Smart Home GmbH. So kann sich Home Connect nahtlos als Spezialist für den Haushalt in die Expertise des Bosch-Konzerns für das gesamte „Smart Home“ integrieren.

Wo steht Deutschland derzeit bei der Umsetzung des Smart Home und wie wichtig ist dies für die angestrebte Energiewende?
Konsumenten fordern energieeffiziente Hausgeräte, denn der sorgsame und verantwortungsbewusste Umgang mit Energie und Ressourcen ist nach wie vor ein zentrales Thema unserer Zukunft. Auch für uns stellt die Entwicklung von energie- und ressourceneffizienten Hausgeräten einen entscheidenden Beitrag zu nachhaltigem Umwelt- und Klimaschutz dar. Unsere modernen Geräte sind heute bereits besonders sparsam beim Einsatz von Strom und Wasser – und verbrauchen beispielsweise bis zu 75 Prozent weniger Strom als vergleichbare Geräte noch vor 15 Jahren.

Das Smart Home wird zweifellos ein wichtiger Treiber für die Energiewende sein, denn über eine intelligente Steuerung des vernetzten Hauses lassen sich zahlreiche zusätzliche Potenziale für den optimalen Ressourceneinsatz nutzen. Schon heute lässt sich über die Home Connect Funktion bei Hausgeräten verschiedener Marken bequemes Energiemanagement betreiben. Hausgeräte mit der Flex Start Funktion arbeiten in einem vom Konsumenten definierten Zeitraum und starten automatisch zu dem Zeitpunkt, an dem die eigene Photovoltaikanlage ausreichend Strom liefert. Die Interoperabilität zwischen Hausgerät und Smart Energy System wird durch den Kommunikationsstandard der EEBus Initiative sichergestellt.

Kooperationspartner ist hier die SMA Solar Technology AG, der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen. Entscheidend für einen größer werdenden Beitrag von Anwendungen und Diensten zur Erhöhung der Energieeffizienz sind letztlich aber schnelle Breitbandanschlüsse und einheitliche internationale Standards für vernetzte Hausgeräte – auch hier engagiert sich die BSH intensiv.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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