René Benko ist ein schillernder österreichischer Milliardär. Gern würde sich seine Signa Holding nach Karstadt auch Kaufhof einverleiben.

Sie wird so strikt dementiert, doch je mehr Auskünfte verweigert werden, desto mehr schießen Spekulationen ins Kraut. Es geht um die René Benko und die Idee einer Deutsche Warenhaus AG. So sollte ein Zusammenschluss zwischen Karstadt und der zuletzt als angeschlagen gemeldeten Galeria-Kaufhof sein.

In Zeiten von Amazon, Zalando und weiterer großer Online-Anbieter steht die Frage nach der Zukunft des Warenhauses zumindest in Deutschland auf dem Prüfstein. Ins Gespräch gebracht hatte die Fusion der beiden deutschen Kaufhauskonzerne der österreichische Milliardär René Benko, dem mit seiner Signa Holding schon der deutsche Warenhauskonzern Karstadt gehört.

Zweimal vergeblich geboten

Schon zweimal, nämlich 2011 und 2015 hatte Signa für Kaufhof geboten. Beim ersten Mal hatte der Mutterkonzern Metro den Verkauf abgesagt, beim zweiten Mal war Signa der kanadischen HBC Hudson Bay Company unterlegen.

2,8 Milliarden Euro hatten die Kanadier für Kaufhof bezahlt, schwache Zahlen in diesem Jahr ließen Gerüchte ins Kraut schießen, ein neuerliche Verkauf stehe an. Hudson Bay dementierte,  deren Aktien zogen daraufhin an der kanadischen Börse an.

Allerdings scheint der Verkauf nicht vom Tisch und die Österreicher nach wie vor interessiert. Medien- und Insiderberichten zufolge, soll die Signa Holding inzwischen schon eine renommierte Investmentbank beauftragt haben.

Aufsteiger und schillernde Finanziers

Wer René Benko kennt, dürfte darüber nicht sehr erstaunt sein. Beharrlich bahnt sich der österreichische Multimilliardär seinen Weg. Dabei sind die Strukturen des Benko-Imperiums nicht immer klar ersichtlich. „Selbst Finanzexperten, die versuchen, nähere Einblicke in die verschachtelten Strukturen des Firmenimperiums rund um die Signa zu bekommen, beißen sich die Zähne aus. Die Komplexität nährt Spekulationen, dass innerhalb der Gruppe Immobilien zu fragwürdigen Zwecken hin- und hergeschoben würden, wie etwa die deutsche Wirtschaftswoche berichtete“, schreibt der Wiener Standard über das Benko Imperium.

Schmiergeldzahlungen

Zudem stand der 40jährige auch schon im Fadenkreuz der Justiz. Am 2. November 2012 wurde Benko wegen „versuchter verbotener Intervention“, man könnte auch Schmiergeldzahlungen dazu sagen, zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Richterin sah, dass Benkos Steuerberater im Auftrag von Benko den früheren kroatischen Premierminister IVO Sanader 150.000 Euro dafür geboten hätte, ein gegen Benko in Italien anhängiges Verfahren zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Das Urteil wurde später höchstrichterlich bestätigt und ist rechtskräftig.

Daraufhin zog sich Benko aus dem operativen Geschäft zurück, und wechselte als Vorsitzender in den Signa-Beirat. Auch wenn der damals 36jährige immer wieder betonte, dies habe rein strategische Gründe.

Immer wieder haben auch zwielichtige Gestalten den Aufstieg des aus kleinen Verhältnissen stammenden Tirolers begleitet. Beny Steinmetz beispielsweise, von dem Benko die Finanzierungen für die Übernahme der Karstadt Warenhäuser, erhielt. Auch wenn Benko und Steinmetz inzwischen wieder getrennte Wege gehen, so lässt die Nachricht, dass Mitte letzten Monats die israelische Polizei in einer groß angelegten Razzia fünf Personen wegen wegen des Verdachts der Geldwäsche in Milliardenhöhe, der Bestechung und der Urkundenfälschung festgenommen hat, darunter auch Beny Steinmetz, aufhorchen.

Doch so ganz abgerissen sind die Beziehungen zwischen Steinmetz und Benko nicht. Im Beirat der Signa Holding sitzt der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der auch eine leitende Position einer Steinmetz-Beteiligung, der Rosia Montana Gold Cooperation, übernommen hat. Hier schließt sich das Dreiecksverhältnis Benko-Gusenbauer-Steinmetz.

Immobilie wichtiger als Retail

Zudem führen Kritiker stets ins Feld, das Benko nicht am Handelsgeschäft interessiert sei, zumal das klassische Warenhausgeschäft weiter an Attraktivität verloren hat. Die Angebote führender Online-Handelshäuser setzen den Warenhäusern zu und auch Benkos Signa Holding, die zwar für Ende des Monats sogar einen Gewinn für Karstadt verspricht, ist von diesem Problem betroffen.

Kritiker sehen das Geschäft der Signa, bei dem Benko als strategischer Kopf nach wie vor die Fäden zieht, sowieso als rein Immobilien bezogen an. Die Signa erwerbe Grundstücke und Immobilien in bester Lage und arbeite darauf hin, die Mieten erhöhen zu können. Außerdem sei man dort immer daran interessiert Immobilien gewinnbringender zu nutzen, so Kritiker. Deshalb arbeite die Signa daraufhin, die Flächen zu verkleinern und gewinnbringender zu vermieten.  Noch ist jedoch in Sachen Kaufhof nichts entschieden, zumal sich alle Seiten über mögliche Verhandlungen ausschweigen. Grundsätzlich hätte auch das deutsche Bundeskartellamt ein gehöriges Wort mitzureden.

Ob Benko ein wirklich guter Partner ist?  Schon jetzt gibt es zumindest eine Reihe von Meldungen, die behaupten, dass das Umfeld von René Benko schädliche Gerüchte in Richtung Hudson Bay Company streue. Schmutzig wird es allemal.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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