Schon in der Schule sollte man nachhaltiges Unternehmertum lernen, mein NFTE, das Network for teaching Entreprenuership (Foto: phase6 (CC BY-SA 2.0) by www.flickr.com)

In den heutigen Industriegesellschaften entwickeln sich ohne Zweifel globale Wirtschafts- und Finanzmärkte, internationale Unternehmen, dazu passende Infrastrukturen sowie die Konsumbedürfnisse überschaubarer Kundengruppen schneller als je zuvor. Damit steigen auch die unternehmerischen Möglichkeiten, mit all ihren Chancen und Risiken. Sind aber diese Innovationsdynamiken mit relevanten Bildungsprozessen verbunden, die mentale Offenheit, sachliches Verständnis und reale Partizipation erzeugen?

Dieser Herausforderung an moderne und wirtschaftsnahe Bildungsumgebungen stellt sich das „Network for Teaching Entrepreneurship“ (NFTE) weltweit ( u.a. in China, den USA, England, Frankreich) und in der BR Deutschland seit mehr als 10 Jahren. Die in einigen Bundesländern, insbeson-dere Baden-Württemberg nunmehr gemeinsame Arbeit zwischen Bildungsbehörden, Schulen, Lehrern, Unternehmen, EItern und Schülern ist davon geleitet, dass die heranwachsende Generation ein „entrepreneurial mindset“ benötigt, um unternehmerische Denk- und vor allem Handlungsweisen auszubilden. Dazu gehören in der konzeptionellen und praktischen Arbeit von NFTE solche Lernziele, wie unternehmerische Gelegenheiten zu erkennen und anzunehmen, nachhaltiges Denken und ethisches Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, Risiken abzuschätzen und die eigene Handlungsfreiheit als Chance zu erleben.

Diese international vielbeachtete Bildungs- und Innovationsumgebung vermittelt in den USA seit 1987 unternehmerische Denk- und Handlungsansätze, die sich in Regelschulen und deren pädagogische Möglichkeiten umsetzen lassen. Hierbei spielen sozial und wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche eine besondere Rolle, da im eigenen Gründerdesign neue Lebenswege definiert werden sollen. Zudem werden die Schülerinnen und Schüler in den NFTE-Kursen befähigt und motiviert, ihrer Zukunft mit eigenem Elan entgegen zu sehen, Risiko- und Verantwortungsübernahme als Chancen zu verstehen, ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu verbessern und das Vertrauen in ihre Fähigkeit zu stärken.

Besondere Betonung von Nachhaltigkeit

Damit versteht sich NFTE als zeitgemäße Antwort auf den Ruf nach realitäts- und branchennahen sowie praktischen Lernprozessen, um junge Leute für die Schulinhalte zu begeistern und sie zu motivieren, die Schule mit mehr als nur einem formalen Abschluss zu verlas-sen. NFTE-Deutschland wurde 2004 gegründet und verfolgt mit einem speziell auf die deutschen Verhältnisse zugeschnittenen Curriculum die gleichen Bildungs- und Entwicklungsziele: Förderung von Selbstvertrauen, Eigeninitiative, Konnektivität, Fokussierung, Kreativität, proaktiven Handelns sowie unternehmerischen Denkens bei Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren, jedoch mit besonderer Betonung des Nachhaltigkeitsaspekts und der Übernahme ethischer Verantwortung für das eigene Handeln.

Schülerinnen und Schülern mit geringeren Startchancen in das berufliche Leben werden besonders fokussiert: Sie sollen durch das NFTE-Programm in ihrer Persönlichkeit ge-stärkt werden und eine berufliche Perspektive entwickeln können. Die dazu nötige „Pädagogik der Ermutigung“ wurde von der Reformpädagogin Connie Hasenclever entwickelt.

Personell wird das Konzept also primär von speziell geschulten Lehrern getragen, die nach einer NFTE-Weiterbildung den Unterricht entsprechend gestalten und die angeschlossenen Projekte betreuen. Weiterhin liegen die konzeptionellen und strategischen Entwicklungsaufgaben von NFTE-Deutschland in den Händen von Prof. Dr. Holger Zumholz (Geschäftsführer) und Prof. Wolf-Dieter Hasenclever (Vorsitzender des Vorstands). Insbesondere Prof. Hasenclever konnte als Reformpädagoge und Gründerpersönlichkeit die eigenen Erfahrungen in die Weiterentwicklung von NFTE-Deutschland einbringen.

Die fachliche Expertise und reflektierende Begleitung der NFTE-Kurse werden durch ein Kuratorium mit dem Berliner Wirtschaftsprofessor Prof. Dr. Sven Ripsas als Sprecher geleistet. Die spezifische Lehrerfortbildung im Vorfeld der Umsetzung des NFTE-Unterrichts an deutschen Regelschulen wird durch ein Team speziell ausgebildeter Trainerinnen und Trainern geleistet.

Daher überraschte es keineswegs, dass sich nach zehn Jahren schulischer Praxis und finanzieller Förderung durch Ministerien sowie von bedeutenden Stiftungen Fragen nach der tatsächlichen schulischen (pädagogischen) Wirksamkeit von NFTE-Programmen ergaben. Mit der einjährigen Prozessuntersuchung zur empirischen Evaluation von NFTE-Programmen in der BR Deutschland wurde 2014 die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) beauftragt. Im November 2015 wurde der Forschungsbericht von Prof. Dr. Torsten Fischer (FHM) vorgelegt, der im Kern auf der Basis eines quantitativen Untersuchungsaufbaus den Kompetenzzuwachs bei Schülerinnen und Schülern nach dem Besuch des NFTE-Kurses begründet. Der Forschungsbericht und die ihm zugrunde liegenden Daten können bei NFTE-Deutschland oder bei der FHM direkt abgerufen werden.

Das gutachterliche Gesamtergebnis wird im Abschlussbericht expliziert:  

„Heute behaupten zahlreiche pädagogische Konzepte, dass Spaß am Lernen, Förderung von Krea-tivität und dialogische Lernstrukturen automatisch auch zu höheren Lernerfolgen führen. Doch diese Automatik existiert nicht – sie muss streng geprüft und nachgewiesen sein. Für das NFTE-Konzept und die ihm folgende Programmpraxis konnte diese Prozessuntersuchung genau diesen Nachweis erbringen. Nämlich, dass sich moderne und praxisrelevante Lernprozesse im NFTE-Programm nicht außerhalb kind- und jugendgerechter Umgebungen gestalten lassen.
Nach wissenschaftlicher Abwägung aller vorliegenden Daten, Informationen und Faktoren, die sich im empirischen Untersuchungsfeld ergeben haben, bei strenger Prüfung der formalen Vorausset-zungen der NFTE-Unterrichtsarbeit und ihres konzeptionellen Vorlaufs, nach Prüfung und Abwä-gung von Validitätspunkten der schulischen Gesamtplanung, ist die schulpädagogische Wirksamkeit des NFTE-Unterrichts als exzellent zu qualifizieren.“

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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One Comment
 
  1. Redaktion ichtragenatur.de 22. Dezember 2015 at 18:54 Antworten

    Danke für den tollen Bericht!

    Mit nachhaltigen Grüßen

Antworten

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