Ove Petersen ist Geschäftsführer von GP-Joule. FAIReconomics sprach mit ihm im Interview.

Wasserstoff ist eine interessante Alternative für eine emissionsfreie Mobilität. Außerdem kann die Verbindung von Strom-, Wärme- und Mobilität aus überschüssigen erneuerbaren Energie kann regionale, klimafreundliche Wertschöpfung schaffen und zur Steigerung der Akzeptanz des Erneuerbaren-Ausbaus in der Bevölkerung beitragen. 

FAIReconomics sprach mit Ove Petersen, dem Gründer und Geschäftsführer von GP Joule, einem Unternehmen für Planung, Bau, Betrieb und intelligente Systemintegration erneuerbarer Energien. Das Unternehmen hat jüngst dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Thorsten Albig (SPD) eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Ihr Ergebnis: Die Verbindung von Strom-, Wärme- und Mobilität aus überschüssigen erneuerbaren Energien schafft eine regionale, klimafreundliche Wertschöpfung und trägt nachweisbar zur Steigerung der Akzeptanz des Ausbaus erneuerbarer Energien in der Bevölkerung bei.

Herr Petersen, erläutern Sie uns doch bitte, was Ihr Unternehmen unter Sektorenkopplung versteht.

Sektorenkopplung ist die Voraussetzung für ein integriertes, 100 Prozent erneuerbares Energiesystem, in dem Erzeugung, Umwandlung und Nutzung erneuerbarer Energien sinnvoll verbunden werden.  Also alle intelligente Lösungen, die uns helfen, den Anteil erneuerbarer Energien über alle energiebasierten Sektoren – Strom, Wärme, Mobilität und Industrie – hinweg zu steigern.

Dazu nutzen wir z.B. Abwärme, die bei der Erzeugung von Strom aus Biomasse entsteht, in regionalen Nahwärmenetzen, binden Elektromobile intelligent in ganzheitliche Strom- und Betriebskonzepte ein oder wandeln Strom zu Wasserstoff, um ihn in seiner neuen Form in den Sektoren Wärme, Mobilität oder Industrie nutzen zu können.

Was versteht man unter der Power-2-Gas Technologie?

Power-to-Gas ist ein Sammelbegriff, der alle Methoden bündelt, in denen Strom in Gas gewandelt wird. GP JOULE fokussiert sich auf das Verfahren der PEM-Elektrolyse. Hier kann Strom mit einem sehr hohen Wirkungsgrad (>75 Prozent) zu hochreinem Wasserstoff veredelt werden, der dann entweder als Speichermedium oder für die unterschiedlichsten Industrieanwendungen, Mobilität etc. zur Verfügung steht. Eingebunden in ein intelligentes Nutzungskonzept, in dem auch die bei der Wandlung entstehende Abwärme genutzt wird, erreichen wir bei der PEM-Elektrolyse einen Gesamtwirkungsgrad von gut 95 Prozent.

Sind Sie bei dem Verfahren in erster Linie daran interessiert Wasserstoff oder Biomethan zu erzeugen, beide Antriebsmittel wären ja durchaus möglich…

Wir erzeugen mit der PEM-Elektrolyse Wasserstoff. Die Technologien, um daraus Biomethan zu erzeugen, stehen nicht in unserem Fokus.

Wie sieht ihr Modellvorhaben an der Westküste Schleswig-Holstein aus?

Die Idee hinter dem Projekt ist die Schaffung eines Modells für die smarte Integration einer Wasserstoff-Infrastruktur bei gleichzeitiger Steigerung der Akzeptanz für Erneuerbare Erzeugung in der regionalen Bevölkerung.  Dazu nutzen wir überschüssigen EE-Strom sinnvoll in der emissionsfreien Mobilität. Im Verbund wird Wasserstoff regional erzeugt, transportiert, verarbeitet und vermarktet/verbraucht.

Konkret wird mit dem Verbundprojekt folgende Infrastruktur implementiert:
Es werden fünf Elektrolyseure an Wärmesenken und in der Nähe von Windkraftanlagen aufgestellt. Im Falle einer geplanten, netzbedingten Abschaltung der Anlagen wird Strom in den Elektrolyseuren zu Wasserstoff veredelt und in einem angeschlossenen Tank gespeichert. Ein Tankwagen sammelt den Wasserstoff dort regelmäßig ein und bringt ihn zu einer von zwei Wasserstofftankstellen. Diese sind so positioniert, dass  zwei Busse des ÖPNV für Ihre Tour zwischen Niebüll (Klanxbüll?) und Husum sinnvoll mit Treibstoff versorgt werden können:

Sind die in Ihrem Modellvorhaben vorgeschlagenen Maßnahmen auch in der Fläche, das heisst großtechnisch, einsetzbar?

Ja, wichtig ist hierbei die intelligente Planung und die Nähe zu viel erneuerbarer Erzeugung. Uns liegt das Modell vor allem in den Gebieten am Herzen, in denen aktuell aufgrund von Netzengpässen sehr viel erneuerbarer Strom derzeit einfach „liegengelassen“ wird.

Die Technologie gilt gemeinhin als teuer, wann glauben Sie dass eine Umsetzung zu normalen Kosten möglich ist?

Die Studie hat gezeigt, dass nach anfänglich noch hohen Kosten pro erzeugter Kilowattstunde durch den Aufsatz der Infrastruktur bereits nach zwei bis drei Jahren eine deutliche Absenkung erkennbar ist. Im Verlauf von acht  Jahren erreichen wir bei knapp 5000 Betriebsstunden einem Preis von ca. 16 Ct/kWh. Dabei ist die Degression der Technologiekosten nicht eingerechnet. Durch steigende Nachfrage nach Wasserstoff und damit verbundener höherer Auslastung der Infrastruktur werden die Kosten weiter sinken.

So ist es uns z.B. gelungen durch extrem materialsparenden Bau sehr kompakte und dauerhafte Elektrolyse-Stacks zu entwickeln, die schon heute sehr günstige Wandlungskosten und beeindruckende Economies of Scale ermöglichen. Und wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung.

Ist eine reine Elektrifizierung der Mobilität sinnvoll?

Für jemanden wie uns, der das Ziel „100 Prozent Erneuerbare“ verfolgt, ist die Konzentration auf ein Verfahren alleine nie sinnvoll. Um dahin zu kommen, werden wir alle Optionen nutzen müssen. Elektromobilität wird absehbar im Schiffs- und Schwerlastverkehr, im öffentlichen Personennahverkehr und in der Landwirtschaft keine große Rolle spielen. Hier sehen wir ein erheblich stärkeres Potenzial für wasserstoffbasierte Antriebe.

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