Der Einsatz von Bäumen – auch wenn diese aus nachhaltigen Plantagen kommen – ist incht zeitgemäß für die Produktion von Holzkohle. (Foto: Pixabay:)

Ein neues, in Bonn angesiedelte Unternehmen verfolgt das Ziel, die massive Rodung der Wälder in Afrika durch die Nutzung von Biomasse zu verhindern, indem es mittels einer innovativen Technologie aus Biomasse grüne Holzkohle herstellt.

Das junge Gründerteam, bestehend aus Dominik Kagerer, Absolvent der Hochschule Koblenz, Tobias Löwe und Sebastian Czaplicki, wurde bereits vom Wettbewerb der KVTC Biomass Challenge ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielten sie das Gründerstipendium.NRW, was dem Team über dem Zeitraum von einem Jahr mit 1.000 EUR pro Monat die Chance eröffnet, ihre innovative Geschäftsidee auf den Weg zu bringen und in die Gründerszene ihrer Region einzusteigen. Das Team nutzt bereits seit März 2017 die Infrastruktur des Innovations- und Gründungszentrums (IGZ) in Bonn. Das IGZ bietet Jungunternehmern aus dem Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen zu günstigen Mietkonditionen eine optimale Startmöglichkeit. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit sich mit anderen Gründern aus der Region zu vernetzen und das kostenfreie Beratungsangebot über das Team der Wirtschaftsförderung Bonn zu nutzen.

Pilotprojekt in Nigeria

Die Idee, die zur Gründung des Startups führte, kam den Jungunternehmern im Rahmen ihres Pilotprojektes in Nigeria. Dabei sind sie auf zwei gravierende Probleme gestoßen: Zum einen erkannten sie, dass der Einsatz von Bäumen – auch wenn diese aus nachhaltigen Plantagen kommen – nicht zeitgemäß für die Produktion von Holzkohle ist. Zum anderen wurde ihnen bewusst, dass Holzkohle, auf deren Export Nigeria fokussiert ist, viel stärker in Afrika gebraucht und genutzt wird als in Europa: In der Sub-Sahara Region Afrikas werden jährlich 32 Millionen Tonnen Holzkohle konsumiert, während dieser Wert in Europa bei nur knapp einer Millionen Tonnen liegt. Dieser große Unterschied resultiert aus der Tatsache, dass in Afrika Holzkohle noch der gängigste Energieträger für die Bevölkerung ist: 80 Prozent der Bevölkerung bezieht Energie durch Holzkohle oder Holz.

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Startup SSC Industries produziert nachhaltige grüne Holzkohle (Foto: SSC)

Das Konzept von SCC Industries griff insbesondere diese beiden Herausforderungen auf. Ziel ist die nachhaltige Holzkohleproduktion in Afrika für Afrika: Aus nicht verwerteten Bio-Müll entsteht grüne Holzkohle. Zusätzlich wird aus der Abhitze und den Abgasen des Verkohlungsprozesses sauberer Strom erzeugt. Durch die nachhaltige und saubere Energieerzeugung erhält das Team sogenannte Emissions-Rechte (im Englischen Carbon Credits), welche ebenfalls verkauft werden können. Die Emissions-Rechte dienen zur Subventionierung des lokalen Verkaufspreises der Holzkohle vor Ort in Tansania und helfen bei der Bekämpfung des weltweiten Klimawandels.

Neben den wirtschaftlichen Interessen hat das Team das Anliegen, die Umwelt und die Menschen zu berücksichtigen bzw. in das Konzept zu integrieren. „Wir achten bewusst darauf, dass der Produktionsprozess nicht komplett automatisiert stattfindet, sondern viele eher niedrig qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter integriert werden, da diese meist die schlechtesten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben“, so Dominik Kagerer, „Wir halten es für wichtig, einen großen Anteil an Frauen einzustellen – zum einen im Hinblick auf Chancengleichheit, zum anderen, weil diese erfahrungsgemäß sehr gewissenhaft arbeiten und deutlich zu einem angenehmen Arbeitsklima beitragen.“

Tansania

Der Projektort liegt in Tansania, ca. 400 km westlich von Dar es Salaam in der Region Ulanga. Durch den Gewinn der internationalen Challenge von KVTC steht dem Gründerteam für die Dauer von zehn Jahren zu einem festen Verkaufspreis Biomasse in Form von Holzresten aus den dort stationierten Sägewerken zu. Dies sichert die nachhaltige Verwertung des Abfalles und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Ressource.

„Wir sind stolz, mit unserem ganzheitlichen Ansatz zur Herstellung von Holzkohle als junges und innovatives Team einen so großen Wettbewerb gewonnen zu haben. Diese Anerkennung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Tobias Löwe. Was viele nicht wüssten: „Weltweit werden 88 Prozent der produzierten Holzkohle noch durch die traditionelle Art und Weise, dem sogenannten Meilern, hergestellt.

Neben der schlechten Effizienz hat diese Methode enorm schädliche Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen. Giftige Gase gelangen in die Umwelt. Die Böden und das Wasser werden mit Ölen und Teeren verschmutzt. Zudem ist die Herstellung hochgradig ungesund für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Alleine die Produktion von Holzkohle in Afrika habe zur Folge, dass knapp 300 Millionen Tonnen Treibhausgase entstünden – also mehr als ein Drittel der insgesamt 811 Millionen Tonnen Treibhausgase, die pro Jahr in der gesamten Sub-Sahara Region Afrikas pro Jahr zu verzeichnen sind, mit steigender Tendenz. Auch die Rodung der natürlichen Wälder liege in vielen Ländern Afrikas an dem hohen Konsum von Holz und Holzkohle als Energielieferant. Darüber hinaus finde die Produktion fast immer im informellen Markt statt, was weder Steuereinnahmen noch Arbeitssicherheit böte.

Unterstützt wurde das Team von Raphael Dupierry vom Gründungsbüro der Hochschule Koblenz. „Neben der Vermittlung eines Studierendenteams hat uns Herr Dupierry mit seinem bestehenden Netzwerk vertraut gemacht und immer wieder bei verschiedenen Anträgen geholfen und beraten.“ so Sebastian Czaplicki. „wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit der Hochschule.“

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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