Verkehrsproblem in den großen Metropolen der Welt, sind der Bottleneck, etwa wenn Menschen zur Arbeit gelangen wollen. Zudem schüren sie den Klimawandel. (Foto: Pixabay.com)

Mobility as a Service – kurz MaaS – sind innovative Konzepte, die Mobilität als Dienstleistung anbieten, indem es öffentliche und private Verkehrsangebote kombinieren. Car-, Ride- und Bike- Sharing oder E-Hailing sind allesamt MaaS-Konzepte, die aktuell einen Paradigmenwechsel einleiten und den Mobilitätssektor verändern. 

MaaS bietet einen einfachen Zugang zum passenden Verkehrsmittel oder -service, praktisch, flexibel, effizient und smart. Seine Stärke entwickelt MaaS als ganzheitliches Produkt, das die verschiedenen Dienste wie Car-, Bike-Sharing, Taxis und ÖPNV integriert und dabei die Grenzen zwischen einzelnen Anbietern überschreitet. Mobility as a Service ist ein noch recht neues Angebot, das Interesse der Autoindustrie einerseits, aber auch von Städten und Kommunen, Verkehrsunternehmen und Softwareunternehmen andererseits, ist groß. 

Große Herausforderungen von Staaten und Regionen

Viele Staaten und Städte stehen vor riesigen Herausforderungen. Die zunehmende Motorisierung in den Entwicklungsländern und Emerging Markets ist ein Beweis für ihr Wirtschaftswachstum und für das Streben ihrer Bürger nach schnellerer und komfortablerer Mobilität. 

Für die Wertschöpfung der Industrie könnte dies jedoch zu einem Problem werden, denn die Dauerstaus auf den Straßen und in den Systemen drohen die Arbeitnehmer von den Arbeitgebern zu isolieren. So beläuft sich der jährliche Zeitverlust von Verkehrsteilnehmern im kolumbianischen Bogotá auf 191 Stunden pro Jahr, das sind umgerechnet fast acht Tage, und auch in Rio de Janeiro sieht es nicht besser aus, hier sind es 190 Stunden. Und noch eine weitere Stadt auf dem amerikanischen Kontinent führt das Ranking mit an, Mexiko-City mit 158 Stunden. Da helfen dann auch öffentliche Transportsystem, wie Busse wenig, auf sie sind viele Pendler mit niedrigem Einkommen angewiesen, doch sie werden durch die Verkehrsprobleme der Städte unattraktiv gemacht. Der Verkehr ist der wichtigsten Bottlenecks in den Megacities.

Nicht immer steckt die Lösung im Bau von U-Bahnen, Straßenbahnen oder Stadtbahnen. Zum einen sind die Kosten immens, zum anderen bieten viele Metropolen nicht mehr den Raum derart große Verkehrsprojekte zu stemmen. Digitale Angebote sind hier eine Lösungsmöglichkeit der Zukunft. denn hier liegt ein großes Potential, wenn es um einfache, verlässliche, bezahlbare und umweltschonende Mobilität geht. Besonders auch der an die Metropolen angrenzende ländliche Raum könnte von diesen Angeboten profitieren.

Vernetzung als Voraussetzung

Eine wichtige Voraussetzung bei den Angeboten von Mobility as a Service ist die Vernetzung. Ohne Zusammenarbeit zwischen den Akteuren, die teilweise sehr unterschiedliche Interessen haben, wird Mobility as a Service jedoch kein Durchbruch gelingen. Vernetzung  zwischen reisende Privatpersonen, aber auch konkurrierende Mobilitätsdienstleister, Betreibern der (Telekommunikations-)Infrastruktur, Anbietern von Mobility Plattformen und Apps, Herstellern von Transportmitteln, der Autoindustrie, Datenlieferanten ausserhalb der Mobilitätsbranche wie bspw. Kartendienste, öffentlichen Institutionen wie Städte und Flughäfen und der staatliche Hand sind unerlässlich.

Wie wichtig das Thema Mobility as a Service ist, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung PWC. Das Marktpotential für Connected Services wird nach Meinung der Berater in Europa, den USA und China bis 2030 ein Volumen von 81 Milliarden Dollar erreichen, wovon 15,9 Milliarden im europäischen Markt erwirtschaftet werden könnten. Die Studie weist auf neue Einnahmequellen durch alternative Mobilitätsangebote hin. Deren Marktvolumen wird, so die Berater, bis 2030 in Europa, den USA und China auf 1,2 Billionen Dollar anwachsen, wobei auf den europäischen Markt 393 Milliarden Dollar entfallen. „In Europa werden Personen 2030 im Schnitt 17 Prozent ihrer Fahrstrecken in gemeinsam genutzten Autos zurücklegen – in USA sind es 14 Prozent in China sogar 24 Prozent“, so die Prognose.

Den Prognosen zufolge bleibt der jetzt vorhandene 4G Standard Telefonstandard lediglich eine kurzzeitige Zwischenlösung. Bereits 2025 werden rund 30 Prozent aller vernetzten Fahrzeuge in Europa 5G-fähig sein, 2030 machen sie 70 Prozent aus.

Starker Anstieg an autonomen Fahren

Der Anteil vernetzter, autonomer und elektrischer Fahrzeuge insbesondere in Europa sowie in China in den kommenden Jahren wird stark ansteigen, weil Politik und Gesetzgeber dafür den Rahmen schaffen. „Vor allem die Harmonisierung von Vernetzungsstandards und die Einführung verpflichtender Sicherheitsfeatures in Neuwagen beschleunigen den Wandel“, so die Berater. Gleiches gelte für die steuerlichen Anreize beim E-Auto-Kauf und die Einführung strikterer CO2-Vorgaben.

„2030 werden die elektrischen Fahrzeuge rund 40 Prozent (Europa) beziehungsweise rund 46 Prozent (China) aller Neuwagenzulassungen ausmachen, während die Quote in den USA mit 35 Prozent niedriger bleibt“, so die Studienautoren. Im Bereich des autonomen Fahrens verlangsamten strenge Vorgaben für Tests die Entwicklung zwar einerseits im Vergleich zum asiatischen Raum. Andererseits böte sich europäischen Unternehmen die Möglichkeit, sich genau im Feld der Sicherheitsfeatures zu spezialisieren.

Nachhaltigkeit für die Verkehrswende und Klimaschutz

Vor dem Hintergrund dieser Wachstumszahlen hat die deutsche Entwicklungspolitik sich auch auf die Ziele der nachhaltigen Entwicklung ausgerichtet, zu denen unter anderem die Förderung von Innovation, Industrie und Infrastruktur, die Entwicklung nachhaltiger Städte und der Klimaschutz gehören. Das BMZ hat für die deutsche Beteiligung prioritäre Handlungsfelder definiert, darunter die Förderung nachhaltiger Verkehre. Im Rahmen der 

In diesem Zusammenhang findet zwischen dem  2. und dem 6. März 2020 die Dritte Woche für Verkehr und Klimawandel mit einer Konferenz am Donnerstag, den 5. März statt. Sie soll den Wissensaustausch fördern und hochrangige Kontakte zwischen 250 Verkehrskollegen aus der ganzen Welt zusammenbringen. In einem Side-Event plant die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung die Vernetzung von deutschen Unternehmen aus der MaaS Branche und den Entscheiden aus den Emerging Countries. 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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