Fichten sind durch Umwelteinflüsse bedroht.

Fichten, die zum Baum des Jahres 2017 und als besonders ertragreiche Baumart mit guten und nachgefragten Holzeigenschaften auch als „Brotbaum“ bezeichnet werden, sind in Deutschland großen biotischen und abiotischen Risiken ausgesetzt.

Bereits heute werden circa 30 Prozent des Einschlags in Fichtenbeständen unplanmäßig aufgrund von biotischen und abiotischen Schädigungen durchgeführt. Rasches Handeln ist also erforderlich, wenn es darum geht, weitere Schäden für Umwelt und Wirtschaft abzuwenden. Gemeinsam wollen Sachsenforst und ThüringenForst Konzepte zur risikominimierten Bewirtschaftung der Fichte in den Mittelgebirgen Sachsens und Thüringens erarbeiten.

Aus einer detaillierten Analyse von gegenwärtigem Wachstum, aktuellen Bestockungsverhältnissen und wichtiger Risikofaktoren wie Sturm, Schnee und Borkenkäfer wollen die Experten am Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft in Graupa und am Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha spezifische Handlungsstrategien für Waldbau und Forstplanung in den beiden Ländern ableiten. Gebräuchliche Wuchsmodelle wie der Waldwachstumssimulator BWINPro-S sollen in diesem Zusammenhang validiert und, wenn notwendig, weiterentwickelt werden. Als Datenbasis dienen die sächsischen und thüringischen Daten der Bundeswaldinventuren 2 und 3, Fernerkundungsdaten sowie Aufnahmen von Fichtenversuchsflächen der Landesforsten und der TU Dresden, die im Laufe des Projektes durch zusätzliche Erhebungen ergänzt werden sollen.

Die vielfältigen Standortverhältnisse der Fichten in Sachsen und Thüringen ermöglichen es, die Ergebnisse später leichter auf andere fichtenreiche Mittelgebirge wie den Harz oder das Sauerland anzuwenden. „Neben der bundesweiten Anwendbarkeit ist uns besonders die Übertragbarkeit der Ergebnisse in die Praxis wichtig“, erklärt Dr. Kristian Münder vom Staatsbetrieb Sachsenforst, Koordinator des Verbundvorhabens. „Wir wollen nicht nur neue Zahlen und Tabellen produzieren, sondern die Projektergebnisse direkt in die betriebliche Planung unserer Landesforsten sowie den betreuten Körperschafts- und Privatwald integrieren. So können wir dazu beitragen, dass die Fichtenbestände in den Mittelgebirgen risikoärmer bewirtschaftet werden, um unser langfristiges Ziel standortgerechter, stabiler und strukturreicher Mischbestände nicht zu gefährden.“

Informationen zum laufenden Verbundvorhaben „Bewirtschaftung der Fichte im Mittelgebirge unter Berücksichtigung des aktuellen Wachstumsgangs und Risikoabschätzung (FIRIS)“ finden Sie unter den Förderkennzeichen 22030614 und 22001815. Die Vorhaben werden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

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