„Über die Hälfte der Fischbestände in Ostsee und Tiefsee werden nächstes Jahr stärker befischt, als Wissenschaftler empfehlen. Das ist legalisierte Überfischung“, bemängelt Karoline Schacht, WWF-Fischereiexpertin.

„Diese Praxis sollte der Vergangenheit angehören, schließlich ist sie ein wesentlicher Grund für den schlechten Zustand der Fischbestände.“ Die EU-Minister haben beschlossen, zwischen 2015 und 2020 die Überfischung abzuschaffen, das war ein Kernstück der reformierten EU Fischereipolitik, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Sie sollte den Fischfang nachhaltiger und zukunftsfähiger gestalten.  „Aber gleich im ersten Jahr der Reform missachten sie das zentrale Nachhaltigkeitsgebot. Die diesjährigen Entscheidungen fallen sogar noch schlechter aus als früher“, so Schacht weiter. Eine WWF-Untersuchung zeigt, dass die Minister zwischen 2003 und 2014 in 41  Prozent ihrer Beschlüsse teilweise deutlich über dem Rat der Wissenschaftler lagen. Damit genehmigten die Minister in dieser Periode einen „Extrafang“ von 7,3 Mio. Tonnen Fisch zusätzlich zu den wissenschaftlichen Empfehlungen.

 Offener Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister

In einem offenen Brief fordert der WWF  nun von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt,  den Reformkurs endlich umzusetzen. Am 15. und 16. Dezember wird er mit seinen Kolleginnen und Kollegen über weitere Vorgaben für Europas Fischereien entscheiden. Es gehe nun darum, das Ende der Überfischung einzuläuten. „Empfehlungen der Wissenschaft müssen die stabile und unbestrittene Basis der neuen Fischereipolitik sein, um die Gesundheit der Fischbestände wieder herzustellen“, fordert WWF-Expertin Karoline Schacht.

 Am 16. Dezember werden die EU-Fischereiminister festlegen, wieviel Fisch in 2015 im Nordostatlantik und Nordsee gefangen werden darf. Wie nötig der Kurswechsel ist, zeigt der aktuelle Trend:  Im Atlantik und seinen angrenzenden Gewässern wuchs der Anteil überfischter Bestände von 39 Prozent in 2013 auf derzeit 41 Prozent, während der Anteil der Bestände „in sicheren biologischen Grenzen“ von 59 Prozent  auf 55 Prozent zurückging.  Wissenschaftler und EU-Kommission halten für das kommende Jahr eine Verringerung der Höchstfangmengen um insgesamt rund 20 Prozent  für notwendig, um die Erholung der Fischbestände in EU Gewässern zu fördern.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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