FAIReconomics Newsletter KW02 NACHRICHTEN:

SPD-Positionspapier zu Energiekosten: Auch wenn man es nicht zugeben will, das jetzt von der SPD vorgestellte Papier zur Energiepolitik könnte als Forderung für die gestern gestarteten Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD genutzt werden. Die Sozialdemokraten wollen Strom preiswerter machen, dafür Tanken und Heizen verteuern. Zudem enthält das Papier auch die Forderung einer CO2-Bepreisung, die für alle Energieträger eingeführt werden soll. Unterdessen bestritt der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, dass das sich im Umlauf befindende Papier eine SPD Schöpfung sei. Schon morgen wollen die Sondierer das Thema Energiepolitik auf der Tagesordnung haben.  fr.de,  energate-messenger  (Ablaufplan), t-online.de (Weil-Dementi)

Greenpeace demonstriert zu Beginn der Sondierungsgespräche: Mit einem fünf Meter hohen aufblasbaren Braunkohle-Baggerrad haben Greenpeace-Aktivisten gestern zu Beginn der Sondierungsgespräche über eine neue große Koalition  für mehr Klimaschutz und einen raschen Kohleausstieg vor der Berliner SPD Parteizentrale demonstriert.klimaretter.info

Rund 30 Millionen neue Jobs und ein jährliches Geschäftsvolumen von 2,5 Milliarden US-Dollar könnte der Umstieg auf den alternativen Wasserstoffantrieb bringen.Zudem würden die jährlichen CO2-Emissionen im Vergleich zu heute um etwa sechs Gigatonnen sinken, wodurch Wasserstoff mit fast 20 Prozent zur Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius beitragen würde. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey und des Wasserstoff-Rats, in dem unter anderem Fahrzeughersteller zusammengeschlossen sind. regio-aktuell24.de

Korallenriffe als Opfer des Klimawandels: Korallenriffe bleichen immer häufiger aus, außerdem sind sie nicht in der Lage sich davon zu erholen. Die Hitzeperioden bedingt durch die Klimaerwärmung sind ein Grund dafür. Die schweren Bleichen sind nur mehr auf den auftretenden El Niño, ein Klimaphänomen, das in zahlreichen Meeresregionen für überdurchschnittliche Wassertemperaturen sorgt, beschränkt. faz.net , science.sciencemag.org (Originalbericht)

Neujahr – Ökostromtag in Deutschland: Die einen feierten noch das neue Jahr, als in Deutschland ein Rekord aufgestellt wurde. Gegen sechs Uhr morgens wurde Deutschland zum ersten Mal komplett mit Ökostrom versorgt. Energieexperten feiern dies als Erfolg der Energiewende. Experten kritisieren, dass inflexible Großkraftwerke die Energiewende nach wie vor behinderten. süddeutsche.de

Glyphosat – Staaten fordern neue Studie: Sechs EU-Mitgliedsstaaten, Frankreich, Belgien, Griechenland, Luxemburg, Slovenien und Malta haben erneut ihre Bedenken über die möglichen Risiken der Glyphosat-Nutzung  geäußert. In einem  gemeinsamen Brief an die EU-Kommission haben sie eine Studie zu Alternativen für die umstrittene Pflanzenschutzmittel gefordert. euractiv.de

Autoindustrie will keine Strafzahlungen: Der deutsche Opel-Chef Michael Lohscheller glaubt Strafzahlungen wegen verfehlter Kohlendioxid-Grenzwerte für sein Unternehmen umgehen zu können. Man wolle die ab 2020 geltenden Grenzwerte einhalten. Ab 2020 darf die Neuwagenflotten eines Herstellers nach EU-Vorgaben im Schnitt nur noch maximal 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstoßen. Strafzahlungen wären nicht nur außerordentlich hoch, der Automobilboss glaubt zudem, dass Kunden Autos von einem Hersteller, der gesetzliche Vorgaben nur mittels Strafzahlungen einhalten könne, nicht besonders attraktiv fänden. Ähnlich äußerte sich auch Audi-Chef Rupert Stadler: Ein Nichterfüllen käme für Audi nicht infrage. handelsblatt.com

Buchtipp der Woche: PLASTIK IM BLUT Wir leben im Zeitalter von Plastik – und das mit gravierenden Folgen für die Umwelt und für den Menschen. Aus dem Plastik, das uns umgibt und mit dem unsere Nahrung in Kontakt kommt, können sich giftige Chemikalien lösen, die wir einatmen, essen und trinken.  Das Ergebnis: Jeder von uns hat heute bereits Chemikalien aus Plastik im Blut. Genauso wie die Plastikproduktion in den letzten 50 Jahren anstieg, nahmen auch die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Asthma, Rheuma, Arthritis, Diabetes, Alzheimer, Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schilddrüsenstörungen und chronische Infektionen zu. All diese Krankheiten haben eine Entzündungskomponente, was dafür spricht, dass das Immunsystem keine zusätzlichen Reize mehr toleriert. Auch die Zahl hormonbedingter Störungen steigt signifikant an. Viele Wissenschaftler machen die sogenannten Umwelthormone dafür verantwortlich – wie Chemikalien aus Plastik, die im Körper ähnlich wie Hormone wirken.  Schwerpunkt des Buches der Baubiologin Heike Schröder ist daher nicht nur die Aufklärung über ökologische, sondern vor allem über gesundheitliche Folgen der Plastikverschmutzung in Bezug auf Zivilisationskrankheiten und mitochondriale Dysfunktion.  Die Autorin gibt zudem viele Tipps, wie wir Plastik in unserem Alltag reduzieren können. Ein hochaktuelles Buch, das uns die Augen öffnet und aufklärt. vakverlag.de 

Glyphosat II: SPD und Union wollen Differenzen beseitigen. topagrar.com
Mehr Ölförderung: Trump Regierung will Ölforderung in geschützten Küstenregionen. tagesschau.de
Wasserstoff:  Züge sollen in absehbarer Zeit mit Windkraft – umgewandelt in Wasserstoff – fahren. nordkurier.de
Sofortprogramm:  Bundesregierung fördert Städte und Kommunen bei der Umstellung auf alternative Antriebe. now-gmbh.de
Drohnen: Können bei Planung der notwendige Ladeinfrastruktur von Elektrofahrzeugen hilfreich sein. futurezone.de
Tierversuche: Anzahl gestiegen, Kritiker halten die Statistik für geschönt. zdf.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„Was die Rendite angeht, so sind nachhaltige Geldanlagen mindestens genauso attraktiv wie Investitionen, die entgegen dem ökologischen oder sozialen Trend aufgesetzt sind. Windbürgerparks oder ein Solarbetriebenes Auto erwirtschaften mittlerweile auch bis zu zweistelligen Renditen pro Jahr.“
Matthias Willenbacher, JUWI Mit-Gründer und Buchautor, über Alternativen zum herkömmlichen Finanzmarkt. Er sei nicht mehr alternativlos. Warum solle man den großen Finanzmarktakteuren die Macht der Geldanlagen und Entscheidungen über wirtschaftliche Entwicklungen überlassen, wenn man Bürger direkten Einfluss nehmen könne? Über Crowdinvestment und Crowdfunding könnten Menschen mittlerweile ihr Geld ganz einfach selbst anlegen und Innovationen bzw. Technologien voranbringen, die ihnen am Herzen liegen würden. Das Risiko sei dabei nicht größer oder geringer als bei herkömmlichen Geldanlagen. fair-economics.de

„Ein lächerlich winziges Hebelchen, um gegen den jahrzehntelang antrainierten Kult vom eigenen Auto zu wirken. Das Gesetz verdient leider nicht mal den Namen, den es hat. Kommunen dürfen jetzt – wenn sie denn möchten – separate Parkflächen für Carsharing-Fahrzeuge ausweisen. Da passiert wenig bis gar nichts. Multicity, ein Tochterunternehmen von Citroën, hat das E-Carsharing-Angebot in Berlin gerade wieder eingestellt, weil der Parkraum für private Fahrzeuge nichts kostet, für Carsharing-Fahrzeuge dagegen teuer ist. Es gibt auch immer noch zu wenige und zu komplizierte Ladepunkte in der Stadt – und die, die es gibt, sind oft zugeparkt. Mit der Sharing-Ökonomie ist zurzeit in Deutschland kein Geschäft zu machen.“
Mobilitätsforscher Professor Andreas Knie, InnoZ Berlin,  Ohne einen zusätzlichen Rechtsrahmen werde es nicht zu einer Verkehrswende kommen. Der Staat müsse rechtliche Grundlagen dafür schaffen und müsse dafür sorgen, dass Länder, Gemeinden oder Städte schnell sogenannte regulatorische Experimentierräume einrichten könnten. Ein Bezirk oder ein kleinerer Teil davon müssten entscheiden können, ob für eine gewisse Zeit  kein Verbrenner mehr in die Stadt fahren könne. Oder es nur CO2-freie Zustellung der Post gebe…wenn man also auf diese Weise genügend Menschen finde, die so ein Real-Experiment durchführen wollten, dann würde es plötzlich allen wie Schuppen von den Augen fällt: Elektromobilität funktioniere ja. brandeins.de

MEHR WISSEN

Gebäude sind Materiallager: Immobilien, bei denen am Ende ihres Lebenszyklus sämtliche Materialien wiederverwertet und recycelt werden, sind noch eine Zukunftsvision. Dabei lagern in den Gebäuden wertvolle Rohstoffe. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Informationen darüber, welches Material wo, wie und wann verbaut worden sei, auch noch in 30, 50 oder 200 Jahren abrufbar sind. Nun sollen diese Baustoffe in einem «4-D-Katasters» erfasst werden, um die Informationen langfristig zugänglich zu machen. nzz.ch

Kryptowährungen: Derzeit sind weltweit etwa zwei bis drei Milliarden Menschen vom Kapitalmarkt abgeschnitten, da es sich für Banken  nicht lohnt, ihnen Konten oder andere Finanzdienstleistungen anzubieten. Kryptowährungen und Blockchanintechnologien können dies komplett ändern.  deutschlandfunk.de

China will keinen Plastikmüll mehr: Zum 1. Januar hat China den Import von Plastikmüll gestoppt. Der radikale Schnitt ist Teil der National-SwordStrategie , einerseits um die eigene Kreislaufwirtschaft aufzubauen und andererseits nicht mehr als weltweite Müllkippe zu fungieren. Die Versuche der EU-Kommission, eine mehrjährige Übergangsfrist auszuhandeln, sind im Dezember gescheitert. Nun dürfen insgesamt 24 verschiedene Recyclingmaterialien nicht mehr nach China exportiert werden – darunter unsortierter Plastikabfall, Altpapier, alte CDs und alte Textilien. Der Importstopp erfordert auch innovative Lösungen der hiesigen Recyclingindustrie. zeit.de

Palmölanbau in Thailand: Europäische Politik beeinflusst die Anbauverhältnisse für die Kleinbauern. spiegel.de
Marokko: Der Kampf um Wasser in Marokkos Süden betrifft auch die Solarindustrie. srf.ch
Irland:  Monokulturen in den Wäldern aus Profitstreben.  taz.de
Südafrika: Schlimmster Wassermangel seit Menschengedenken. fair-economics.de
Urlaub mit Sinn: Das Château d‘Orion im Südwesten Frankreichs. enorm-magazin.de

DAS LETZTE:

Streetview verrät mehr als nur Gebäudeansichten: Mit sogenannten Deep-learning Methoden ist es Wissenschaftlern in den USA gelungen, aus Google-Streetview weitere Daten abzuleiten, etwa nach Zusammenhängen zu sozialen, wirtschaftlichen und politischen Muster wie Einkommen, Einkaufsvorlieben oder Interessen für einzelne Parteien in Stadtvierteln der gesamten USA. Der Ansatz könnte helfen klassische Formen der Demoskopie und die Volkszählung zu ergänzen und zu unterfüttern. Automatische Systeme dürften imstande sein, demografische Informationen künftig effizienter als „arbeitsintensive Ansätze“ in hoher „Auflösung“ und „fast in Echtzeit“ zu messen. Datenschutzrechtlich wird es Bedenken geben. heise.de

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